Aus der Geschichte der Pfarrgemeinde Molpertshaus

Lindenblatt

Lindenblatt 1  2000 als pdf-Datei

Lindenblatt 2  2001 als pdf-Datei

Lindenblatt 3  2002 als pdf-Datei

Lindenblatt 4  2003 als pdf-Datei

Lindenblatt 5  2004 als pdf-Datei

Lindenblatt 6  2007 als pdf-Datei

Lindenblatt 7  2009 als pdf-Datei

 

 

     

Die folgenden Textbeiträge sind aus dem Lindenblatt entnommen. Dieses Blatt erscheint  zum Lindenfest, das vom Musikverein Molpertshaus veranstaltet wird.

Es enthält Geschichten aus der Geschichte der Pfarrgemeinde Molpertshaus.

Herausgegeben wird das Lindenblatt von Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher.

Für das Internet bearbeitet wurde das Lindenblatt von Peter Moosmann 

Lindenblatt 2007

    -     alte Eiche 1888

-          Kaufläden in der Pfarrgemeinde früher  

-          Jubiläum Gasthaus Adler 

-          Anekdoten um Pfarrer Heinzelmann

-          aus der Schulgeschichte  

-Aus den Verhörprotokollen der Herrschaft Wolfegg im 30-jährigen Krieg  

- Trinkwasserversorgung Mennisweiler

-          aus der Geschichte der Firma Neyer

 

Lindenblatt 2004

Die Linde in Engetweiler und die Geschichte des Dorfes

Rosa und Andreas Hirler

Auf der Stör  

Aufgeschnappt – aus der Chronik und den Verkündbüchern

Fußwallfahrt nach Maria Steinbach

Priester und Ordensleute – Berufungen aus unserer Gemeinde  

Streit zwischen den Zwingsern / Haidern und dem Prälaten vom Kloster Rot

Viehsegnungen früher

Die Vereinödung

40 Jahre Fußballverein Molpertshaus  

Geschichte des Blutreitervereins Molpertshaus

 

 

Lindenblatt 2003

Die Linde in Binzen und die Geschichte des Ortes

Die Geschichte und die Besitzer der Höfe in Binzen

Im Namen des Königs!

Johann Baptist Lämmle – Seegrassattler und Binzemer Original

Scharmützel bei Mennisweiler

Ein „geisteskranker“ Knecht erstach Josef Brauchle

Wegen der Liebschaft mit einer Magd zum Mörder geworden

Kindermord in Engetweiler

Aufgeschnappt – aus der Chronik der Pfarrei

 Seit unvordenklichen Zeiten Eligius-Wallfahrt in Mennisweiler

Erschießung eines Soldaten in Mennisweiler

Korsischer Gefangener in Roßberg erschossen

Soldatengrab von Wilhelm Krentz aus Ludwigsburg bei Mennisweiler

Vom Leben und Sterben in der Pfarrei in früherer Zeit

Die Glocken im Turm der Pfarrkirche Molpertshaus

Gedenktafel erinnert an Gefallenen aus dem Krieg von 1870/71

O Hanser, hätt i doch nix vom Holla gseit. S hätt’s scho no dau  

 

 

Lindenblatt 2002

Linde in Rossberg und ein Blick in die Geschichte des Ortes "unter dem Berg"

 

Linde in Oberurbach

 

Kapelle Furt – das Krautland rettete das Furter Glöcklein vor dem Einschmelzen

 

St. Vitus, Patron der Bettnässer

 

Totensteige heute kaum mehr zu finden

 

Frühere Rossberger Steige heute nur noch ein Waldweg    

 

Früherer Schulweg der Oberurbacher und Poppenhauser

Frondienste in Molpertshaus noch bis in die 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts

Gründer der Firma Carl Platz GmbH & Co. KG stammt aus Engetweiler

 

Aufgeschnappt: - Von Hochzeitsschnupftüchern, einem Mord in Molpertshaus und einem Erfrierungstod im Mai 

 

Der Ort Molpertshaus um das Jahr 1700

"Beklagenswerte Erscheinungen", die Pfarrer Sinz um 1855 notierte

Josef Keller – Landtagsabgeordneter aus Furt

Spätgotischer Molpertshauser Altar im 19. Jahrhundert für 7 Gulden verkauft

Ochsenritt nach Leichenschmaus  

 

 

 

Lindenblatt 2007

 

 

 

 

 

 

   

Liebe Leserinnen und Leser des Molpertshauser Lindenblatts!

Mit dem vom Musikverein Molpertshaus veranstalteten Lindenfest am 21. und 22. Juli 2007 erscheint nach zweijähriger Pause auch wieder eine neue Ausgabe des Molpertshauser Lindenblatts.

Wenn der Schein nicht trügt, so ist in den letzten Jahren das Interesse an lokalgeschichtlichen Ereignissen nicht nur in Molpertshaus spürbar gewachsen. In der Nachbarschaft werden alte Notenblätter gefunden, die sich dann schon fast als kleine Sensation herausstellen. In Bergatreute werden Veröffentlichungen über Geschichte und Geschichten herausgebracht. Und die Nachfrage nach alten „Molpertshauser Lindenblättern“ hält an…

So hoffen wir, dass Sie auch mit dieser Ausgabe wieder einige Neuigkeiten und Überraschungen aus der so genannten „guten alten Zeit“ erfahren. Neben der Schulgeschichte von Molpertshaus bildet heuer der Rückblick in den Einzelhandel und die Geschäftswelt der Kirchengemeinde einen Schwerpunkt.

Daneben geht der Rückblick aber bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Zudem soll auch der Humor nicht zu kurz kommen. Für diesen sorgt unter anderem der noch heute sehr verehrte Pfarrer Adolf Heinzmann.

Wie immer sind wir für Rückmeldungen, Anregungen und Ergänzungen dankbar.

Die Herausgeber des Molpertshauser Lindenblatts

 

 

Eiche aus dem Jahre 1888

  

 

Nachdem mittlerweile die bedeutenden Linden in der Kirchengemeinde weithin beschrieben wurden, widmen wir uns in Zukunft anderen auffallenden Bäumen, die in der Pfarrei zu finden sind. Obwohl es in dieser Ausgabe eine Eiche ist, bleiben wir beim Namen unserer unregelmäßig erscheinenden Jahreszeitschrift und nennen diese weiterhin das „Molpertshauser Lindenblatt“.

Am Molpertshauser Kreuzweg steht etwa auf Höhe der siebten Station (Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz) eine imposante Eiche. Sie hat den stattlichen Umfang von 3 Metern und 87 Zentimetern und somit einen Durchmesser von 1 Meter 23. Stadtförster i.R. Nold schätzt das Alter dieser Eiche auf etwa 120 Jahre. Das würde auf eine Pflanzung im Zusammenhang mit der Anlegung des Kreuzweges hindeuten. Das heißt, dass der Baum jährlich etwa 1 Zentimeter stärker geworden ist. Das kommt nach fachlicher Beurteilung von Förster Nold bei einer Eiche nur dann vor, wenn sie einen sehr guten Untergrund hat.

 

Kaufläden in früherer Zeit in der Pfarrei Molpertshaus

  

 

Im Jahre 2007 gibt es in der Kirchengemeinde Molpertshaus noch einen Laden. Bei der Bäckerei Fehr in Mennisweiler gibt es neben Brot und Kuchen fast alles, was man für den täglichen Gebrauch benötigt.

Die großen Discounter haben die so genannten „Tante-Emma-Läden“ zum größten Teil vom Markt verdrängt. Wie wichtig allerdings ein Laden in einer Gemeinde ist, kann man immer wieder erfahren, wenn man bei der „Hanne“ einkauft. Dort werden Nachrichten bekannt, Kinder können noch ihr Vesperbrot holen und bekommen, wenn sie Glück haben, auch noch eine Süßigkeit geschenkt.

Das Leben in einem kleinen Flecken wäre ärmer, wenn es diese Treffpunkte nicht mehr gäbe. Früher, ja früher, da war es einmal anders. Da gab es richtige Konkurrenz in den Weilern der Kirchengemeinde. Viele können sich noch an diese Zeit erinnern, als es in Molpertshaus, Engetweiler und Mennisweiler 2 noch mehr Läden gab als heute. Das „Molpertshauser Lindenblatt“ möchte in dieser Ausgabe an diese Zeit erinnern und gleichzeitig all denen den Respekt bekunden, die für die Versorgung der Bevölkerung sorgten und auch noch heute sorgen.

 

Kolonialwarengeschäft von Bernhardine Keller in Engetweiler

Den ehemaligen Laden in Engetweiler gibt es nicht mehr. Die Erinnerung an die Zeit, als die Engetweiler Bürger noch fast alles für den täglichen Bedarf Notwendige in ihrem Flecken erhalten haben, bleibt. Die folgenden Ausführungen und Informationen verdanken die Herausgeber vor allem Albert Stöckler, Anton Lander und Rudolf (mit auf dem nebenstehenden Foto!) und Dora Küble.

Der Laden von Bernhardine Keller bestand von 1928 bis 1974. Es war mit ziemlicher Sicherheit Matthias Forster und seine Frau Josefa Geray, die im Jahre 1928 aus Bergatreute nach Engetweiler kamen und dort in dem 200 bis 300 Jahre alten Haus einen Laden eröffneten. Matthias Forster starb allerdings bereits 1932, seine Frau sechs Jahre später. So wurde das Haus und der Kaufladen von der ledigen Nachbarin erworben, die den Laden dann bis 1974 inne hatte. Die Nachbarin war Bernhardine Keller.

Der Laden wurde zu einem Markenzeichen von Engetweiler. Dies kann unter anderem daran ersehen werden, dass Maria Stöckler, die später mit ihrem Mann Albert in dem Haus wohnte, und der Bernhardine Keller mit Rat und Tat beim Verkaufen zur Seite stand, einfach nur als „Ladenmarie“ angesprochen wurde. Zu kaufen gab es im Kolonialwarengeschäft Bernhardine Keller fast alles: Lebensmittel aller Art, sämtliche Gebrauchsartikel vom Bremsenöl bis zum Riemenharz und vom Faden bis zu den Schnürsenkeln.

Im Jahre 1969 bauten Stöcklers ein neues Haus. Fortan betrieb Bernhardine Keller den Laden dann mit Hilfe von Frau Lange noch bis ins Jahr 1974.

 

Nach dem Tod von Bernhardine Keller im Jahre 1995 wurde das Haus abgebrochen. Das neue Haus, das heute von Elmar Lerch und seiner Familie bewohnt wird, hat keinen Laden mehr.

   

Bäckerei und Kaufladen Fehr in Mennisweiler (heute Bäckerei Reinhold Fehr)

 

Eigentlich hätte die Bäckerei Fehr vor zwei Jahren ein großes Jubiläum feiern können. Zu diesem Zeitpunkt ist sie nämlich 100 Jahre alt geworden.

Der Großvater von Reinhold Fehr mit Namen Anton Fehr wurde 1880 geboren. Er hatte zehn Geschwister, davon drei Brüder. Großvater Anton Fehr erlernte den Beruf des Bäckers und ging auf die Walz. Da allerdings keiner seiner drei Brüder das kleine landwirtschaftliche Anwesen übernehmen wollte, kehrte er wieder in die Heimat zurück und erklärte sich bereit, das Erbe anzutreten. Allerdings nur unter der Bedingung, eine Bäckerei bauen zu dürfen. Diese entstand dann dort, wo heute die Garage steht. Das in der Bäckerei gebackene Brot wurde im Wohnhaus verkauft. Neben der Bäckerei und der kleinen Landwirtschaft betreute Anton Fehr wie schon sein Vater, also der Urgroßvater von Reinhold Fehr mit Namen David, den Molpertshauser Stiftungswald. Zudem war Anton Fehr viele Jahrzehnte im Kirchenchor aktiv und sieben Jahre lang Vorstand des Musikvereins. Offensichtlich war der Bäckereigründer ein humorvoller Mensch. Wenn er jedenfalls auf die Größe seiner Wecken kritisch angesprochen wurde, konterte er ganz gelassen: „Wenn dir oiner it roicht, dann iss halt zwoi“.

Anton Fehrs Sohn Ernst baute im Jahre 1954 die Bäckerei grundlegend um und verlegte sie nun in das mit einem Anbau versehene Wohnhaus. Dessen Sohn Reinhold Fehr hat nun mit seiner Frau „Hanne“ die Bäckerei seit 1977 inne.

Das Sortiment der Bäckerei und des Kaufladens umfasste schon immer außer Brot und Kleingebäck Rauchwaren, Bonbons, Mehl,

Salz, Zucker, Milch, Käse und Schreibwaren, aber auch Backpulver, Hefe und Nudeln.

Übrigens können Fehrs wohl auf die längste Tradition in Mennisweiler zurückblicken. Balthasar Fehr, der Urahn von Reinhold Fehr, kam 1702 von Grund bei Wolfegg nach Mennisweiler. Ursprünglich stammt die Familie allerdings aus Österreich wie ein Wappen im Besitz der Familie aus dem 15. Jahrhundert beweist. Vermutlich kamen also die Fehrs – wie viele andere auch – nach dem Dreißigjährigen Krieg in das arg gebeutelte Oberschwaben und Allgäu. Familiennamen wie Lander, Madlener, Duelli, Walser, Lorinser usw., die es in unserer Gegend vielfach gibt, deuten auf eine österreichische oder schweizerische Herkunft.

 

Gemischtwaren Fehr, Lerch, Tremp

 

Das frühere Pfründnerhaus der Familie Fehr (heute Haus Peter Lerch) diente von etwa 1930 bis 1982 als Laden. Dieser wurde vor und während des Zweiten Weltkriegs von Elisabeth Fehr, der Schwester von Anton Fehr und deren Schwester Agathe Sneider betrieben. Agathe Sneider wurde allgemein die „Doktorin“ genannt, wohl weil sie die Witwe des Arztes Dr. Heinrich Sneider war. Als im Jahre 1945 die pflegebedürftige Elisabeth Fehr starb, zog die „Doktorin“ zu ihrem Sohn und verpachtete den Laden an eine Familie Gruza und später an Alois Detzel und seine Ehefrau Dora, geborene Salat.

Die Familie Lerch kaufte im Jahre 1953 das Haus. Die neue Ladnerin hieß nun Resi Lerch, genannt die „Nähere“. Resi Lerch starb im Jahre 1970.

Der Laden wurde schließlich vergrößert. Verkäuferin war nun Maria Tremp, von der auch die Informationen zur Geschichte des Gemischtwarenladens stammen. An der Hauswand stand mit großen Buchstaben „Handlung von Geschwister Lerch“. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen musste leider auch dieser typische „Tante-Emma-Laden“ im Jahre 1982 aufgegeben werden. Im Sortiment gab es bis dorthin fast alles, vom Gemüse über Gewürze, Rauchwaren, Hosenknöpfe, Faden, Schnürsenkel, Wolle, Stoffe bis zu Reisnägeln, aber auch Bismarck- und Salzheringe, Bonbons, Spirituosen, Schwefelkarten und Briefumschläge.

 

 

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Laden Rist in Mennisweiler (früher Max Rist), von 1930 bis 1945

 

Peter Paul Rist aus Waldsee heiratete im Jahre 1870 Maria Anna Neyer, Tochter des Anton Neyer aus Lichtenstein. Vier der fünf Kinder aus dieser Ehe zogen nach München, um dort ihr Geld zu verdienen.

Elisabeth, genannt „Rist’s Betha“ (geb. 1872) zog es allerdings wieder zurück nach Mennisweiler, wo sie im Pfründnerhaus einen Laden errichtete. Es gab Lebensmittel aller Art, Wolle und Nähartikel. Wenn sie mit ihren Kunden sprach, war es allerdings unverkennbar, dass sie schon in Bayern war. „Wissen’s, ich bin schon in München gwest“, war einer ihrer Lieblingssätze. So erzählt es jedenfalls ihre frühere Nachbarin Josefine Herzog. Von Rist’s Betha bleibt vor allem deren wunderbare Krippe in Erinnerung. Diese ist wohl beim Brand 1956 vernichtet worden. Rist’s Betha starb bereits 1945 im Alter von 73 Jahren. Der Laden wurde daraufhin aufgelöst.

Kaufladen Holzwarth in Molpertshaus

Seit etwa 1860 gab es den Kaufladen Holzwarth in Molpertshaus, der damit die älteste Tradition aller Läden in der Pfarrgemeinde hat. Etwa um das Jahr 1860 hatte der Vorfahre der Holzwarths mit Namen Alois Schad einen Laden im heutigen Haus von Michael Weiler und seiner Familie. Damals wurde sogar Schwarzpulver und so genannte „Schneller“ verkauft. Im Jahre 1880 baute besagter Alois Schad dann, zusammen mit seinem Schwiegersohn Blasius Sproll, das Wohnhaus mit Laden und Landwirtschaft an heutiger Stelle, wie die noch vorhandenen Baupläne beweisen. Alois Schad, der 1912 verstarb, war nicht nur der erste Ladenbesitzer in Molpertshaus, sondern auch 40 Jahre lang Kirchenpfleger. Der Laden wurde dann allerdings von seinem Schwiegersohn, der eigentlich von Beruf Sattler und Tapezierer war, betrieben. An der Südfront des Hauses stand lange Zeit „Handlung von Blasius Sproll“. Im Jahre 1904 heiratete die Tochter von Blasius Sproll den Eisenbahnassistenten Georg Holzwarth aus Oberböblingen. Dieser erwarb später auch von den kinderlosen Eheleuten Bohner den oberen Hof der Holzwarths.

Wohnhaus und Laden sowie das Ökonomiegebäude wurde schon bald am unteren Standort vergrößert. Nach dem Tode der Eheleute Holzwarth wurde der Laden von den ledigen Geschwistern in wechselnder Besetzung betrieben. Heute steht das einst so stolze Gebäude zum Verkauf.

Bei Holzwarths gab es fast alles zum Kaufen: Stoff, Geschirr, Kerzen, Seife, Waschpulver, Zündhölzer, Wolle, Garn, Faden, Zigaretten und natürlich fast alle Lebensmittel, einschließlich Brot. Sogar ein Spielautomat war im Laden aufgestellt. Die Ladenöffnungszeiten waren schon damals sehr modern. Der Laden war eigentlich rund um die Uhr geöffnet. Selbst am Sonntagmorgen konnte nach der Kirche noch das unbedingt Notwendige erstanden werden. Nach vier Generationen aber musste der Laden kurz vor der Jahrtausendwende aufgegeben werden. Die letzte Ladenbetreiberin, Frau Ida Holzwarth, verstarb im Jahre 2004.

Die Informationen stammen vom Frühschoppenstammtisch der Molpertshauser Senioren und von Wilhelm Neyer.

 

Laden von Salat – Schüle

 

Von 1901 bis etwa 1954 gab es einen weiteren Laden in Molpertshaus. Dieser fand sich sogar auf einer Postkarte von Molpertshaus als „Buchbinderei und Schreibmaterialienhandlung von J & E Salat.

Es war der mit 72 Jahren pensionierte Lehrer Josef Salat, der mit seinem Sohn Eugen im Jahre 1901 im damaligen Gaishauserweg ein Wohnhaus (heutiges Haus Schüle) baute. Sohn Eugen war von Beruf Buchbinder. So richtete er alsbald eine Werkstatt mit Buchbinderei und einen Verkaufsladen für Schreibmaterial ein. Nebenbei versah Eugen Salat noch den Mesnerdienst in der Molpertshauser Pfarrkirche. Aus dem ursprünglichen Angebot von Schreibwaren wurde später ein Angebot aller Verbrauchsartikel, wie alte Molpertshauser noch wissen. Betrieben wurde dieser Laden noch bis in die späten Nachkriegsjahre. Die alte „Salate“, wie die Frau von Eugen Salat genannt wurde, und später deren Tochter Dora mit ihrem Mann Alois betreuten den Laden. Zeitweise wurde der Nachschub mit einem dreirädrigen Lieferwagen herangeschafft. Doch bald zeigte sich, dass zwei Läden in dem kleinen Ort Molpertshaus doch zu viel waren. Der Lebensunterhalt konnte daraus nicht bestritten werden und so zogen die Salats nach Friedrichshafen, um ihr Glück dort zu versuchen. Das Haus wurde 1958 an Simon Schüle verkauft. Der Ladenraum im Keller wurde fortan als Wohnraum genutzt. Frau Salat starb im Jahre 1985 im Alter von 90 Jahren in Dachau.

Die Informationen zur Geschichte des Ladens stammen von Frau Anna Schüle.

 

 

Bäckerei Motz, Molpertshaus

 

Wagnermeister Maximilian Neyer baute das Haus, in dem später die Bäckerei untergebracht war, mit Ökonomiegebäude (heute Haus Kraußmüller) im Jahre 1876. 1882 übernahm es Alois Hoch von der Haid und richtete dort eine Bäckerei ein.

Nach Meinung von Rudolf Lay war an diesem Ort damals auch eine Wirtschaft.

Hoch zog 1914 nach Leutkirch. Sein Nachfolger wurde der aus Herlazhofen gebürtige Thaddäus Motz und später sein Sohn Leonhard. Während des Zweiten Weltkrieges, als Leonhard Soldat war, stand die Bäckerei still. Nach seiner Heimkehr wurde die Bäckerei wieder weiter betrieben. Seine beiden Schwestern „Motza Anna“ und „Motza Rosa“ verkauften Brot in der Vesperpause vor dem Schulhaus. Es war sogar so, dass die Eltern der Schüler dem Bäcker Mehl brachten und dann durfte der Schüler solange seine Brezel und Seelen aus dem Korb nehmen, bis das Kontingent ausgeschöpft war.

Als der Umsatz dann aber ständig zurückging, wurde die Bäckerei im Jahre 1966 geschlossen. Leonhard Motz ging zur Arbeit in die Nudelfabrik Buck in Bonlanden.

Bäckerei Neyer / Schuwerk

 

In Molpertshaus gab es sogar schon mal zwei Bäckereien. Eine Metzgerei lässt sich allerdings in der ganzen Pfarrei nicht nachweisen, obwohl bei der Bäckerei Neyer / Schuwerk ein Metzger eine Rolle spielte. Alois Warther, von Beruf Metzger, erstellte das Haus in Molpertshaus (heute Haus Karl Merk) und richtete später eine Bäckerei ein. 1871 übernahm Alois Neyer, Sohn von Wirt Liberat Neyer, das Anwesen und die Bäckerei. Vermutlich war auch hier kurzfristig eine Wirtschaft. Alois Neyer starb bereits 1882 und der neue Besitzer hieß Franz Josef Schuwerk aus Eisenharz. Schuwerk betrieb die Bäckerei weiter. Wann die Bäckerei stillgelegt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, doch alte Molpertshauser wissen noch um die Existenz dieser Bäckerei.

Alois Merk, Vater von Karl Merk kam 1928 nach Molpertshaus und erwarb dieses Anwesen. Er war von Beruf Wagner.

 

Weitere Kaufläden in der Pfarrgemeinde gab es in Furt (Haus Friedrich Kible) und Engetweiler (Haus Pensler)

 

Jubiläum im Gasthaus Adler Molpertshaus

 

Im Jahre 2005 konnte die Familie Kraft – Albrecht ein beachtliches Jubiläum feiern. Die Familie ist seit 100 Jahren auf dem „Adler“ in Molpertshaus. Dieses Jubiläum nimmt das Molpertshauser Lindenblatt zum Anlass, über die Geschichte von Hof und Wirtschaft zu berichten.

Zweifellos war der zum Gashaus Adler gehörige Hof St. Silenziari (später St. Silentiarius) einer der sieben Höfe, die Hans von Molbrechtshusen, ein Nachfahre von Ritter Hildeprand im Jahre 1371 als Almosen „zum Heil der Seelen seiner Eltern, Vorfahren und Nachkommen, zu Trost und Hilfe und zur Förderung seines ewigen Lebens“ dem Kloster Schussenried vermachte (so nachzulesen bei Fikler, Geschichte der Grafen von Heiligenberg und bei Siegfried Krezdorn, Waldseer Urkunden aus dem Kloster Schussenried).

Ein Urbarium des Klosters Schussenried vom Jahre 1701 bzw. 1728, in dem die Lehensgaben aufgezeichnet sind, beweist dies eindeutig. Der Hof hatte damals 62 Jauchert, was 94 Morgen entspricht und war somit der größte im Dorf. Lehensträger waren Hans Kuntzer (1680 bis 1713) und Franz Stübe (1713 bis 1750), der aus Böniswald kam. Von einer Wirtschaft war aber noch in keiner Niederschrift die Rede. Im Jahre 1804 finden wir allerdings in der Chronik der Kirchengemeinde einen Absatz mit folgendem Wortlaut: „Anno 1804 wurde das Wirtshaus allhier gebaut. Das alte, welches baufällig war, stand in der Baind (Obstgarten östlich der Straße)“. Vermutlich wurde auch zu diesem Zeitpunkt eine Anlage zum Bierbrauen errichtet.

Johann Georg Hoch, Anwalt und Mitglied des Kirchenstiftungsrates erbaute auf dem Grundstück seines Lehenhofes die Wirtschaft zum „Adler“.

Im Jahre 1826, also vier Jahre nach seinem Tode, heiratete seine 19jährige Tochter Maria Anna den ursprünglich in Lichtenstein beheimateten Liberat Neyer (geb. 1802). Dieser kam einst als Hirtenbube in unsere Gegend.

Von der Hochzeitsfeier ist folgende Anekdote überliefert. Während der Hochzeitsfeier brannte plötzlich der Kamin. Mutige Burschen stiegen sofort auf das Dach und deckten das Feuer mit einer frischen Kuhhaut ab, denn Wasser war nur spärlich vorhanden. Nach kurzer Zeit war das Feuer gelöscht und die Hochzeitsfeier konnte fortgesetzt werden. Liberat Neyer starb 1844 im Alter von 42 Jahren. Vermutlich war zu diesem Zeitpunkt das Anwesen schon vom Kloster abgelöst und Eigentum der Familie.

Seine nun verwitwete zweite Frau (die erste starb bereits mit 28 Jahren) heiratete nun nach Volkertshaus. Hof und Wirtschaft wurden verkauft.

Angeblich muss das gesamte Anwesen von einem gewissen Alois Maierhofer gekauft worden sein. Am 20. November 1846 jedenfalls war Hof und Wirtschaft in Folge Gants (also Konkurs) im Wochenblatt zum Verkauf ausgeschrieben. Dabei wurden ein zweistöckiges Wohnhaus mit Tafernwirtschaft, Brauereieinrichtung, Stadel mit Strohdach, Pfründnerwohnung und etwa 117 Morgen Grund und Boden inseriert.

Der damalige Käufer war ein Mann namens Michael Lutz. Dieser veräußerte das Anwesen aber schon ein paar Jahre später, nämlich im Jahre 1853 an die Witwe Obermayer, Wirtin von Mennisweiler. Ihr Sohn Josef Anton betrieb nun Hof und Wirtschaft. Als dieser dann 42jährig im Jahre 1870 starb, stand das Anwesen erneut zum Verkauf.

Es wurde nun von Alois Koch aus Mennisweiler erworben. Der Besitzer hatte im Jahre 1873 Glück und Unglück. An einem denkbar heißen Sommertag, dem 7. Juli 1873, so berichtet die Chronik der Kirchengemeinde, ging das Ökonomiegebäude seines Hofes in Flammen auf. Innerhalb von zwei Stunden wurden zehn Höfe bzw. Sölden in Molpertshaus eingeäschert. Die Wirtschaft mit ihrem Plattendach blieb allerdings glücklicherweise von dem Flammemeer verschont.

Alois Koch starb im Jahre 1886. Seine Witwe heiratete nun den Bierbrauer Ferdinand Boos aus Wassers. Die Familie zog im Jahre 1895 nach Baindt. Der neue Besitzer wurde nun Hugo Farny aus Dürren. Nach kurzen Episoden verschiedener Pächter übernahm im Jahre 1905 Hugo Kraft vom Berghof bei Kißlegg und seine Ehefrau Josefa Kübler aus

Aach Wirtschaft und Hof als Pächter.

Ein Glücksfall für den Besitzer, wie sich bald herausstellen sollte, denn nun hatte der ständige Wechsel ein Ende.

1947 übernahm der Sohn Hugo und seine Ehfrau Maria, geborene Gnannt, das Anwesen. Mit Zustimmung des Besitzers (nun Pfarrer Farny) wurde 1957 die mit einem Walmdach erbaute Wirtschaft von 1804 bis auf das Erdgeschoss abgebrochen und der ganze Baukörper erneuert. 1962 gingen Hof und Wirtschaft in das Eigentum der Familie Kraft über. Nachdem 1986 das Ökonomiegebäude abbrannte, entschloss sich die Familie, die Landwirtschaft zu verpachten. Die Wirtschaft zum „Adler“ aber ging 1994 in der dritten Generation an die Tochter Gisela und ihren Mann Josef Albrecht über.

Auch sie nahmen verschiedene Umbauten vor, sodass sich die Wirtschaft mit Nebenzimmer, Saal und Biergarten zu einem gefragten Speiselokal entwickelte. Doch trotz dieser Änderung fühlen sich heute noch Stammtischler, Musikanten, Sänger, Sportler und Kartenspieler wohl beim „Oberen Wirt“, wie die Wirtschaft im Lokalen Umfeld genannt wird.

 

Schulgeschichte von Molpertshaus – die ersten Lehrer war zugleich Totengräber

 

„Bis ins 17. Jahrhundert wusste man von einer Schule in Molpertshaus nichts und es war auch kein Mann hier, selbst der Mesner nicht, der nur das geringste von Schulsachen verstand und fähig wäre, eine Schule zu halten“, so ist es wörtlich in der Chronik der Kirchengemeinde nachzulesen. Die Schulwilligen gingen seinerzeit nach Haisterkirch in die Schule.

1761: Friedrich Fröhlich aus Mettenberg kommt nach Molpertshaus und übernimmt den Posten des Mesners und Organisten, sowie die Aufgabe als Totengräber. Seine Wohnung hat er im neu erbauten Mesnerhaus (gegenüber der Kirche), wobei er auch die dazugehörige Landwirtschaft mit 18 Morgen betreibt.

1767: Friedrich Fröhlich wird zum Schullehrer bestimmt. Im Mesnerhaus wird eine Schulstube als Unterrichtsraum eingerichtet. Fröhlich stirbt im Jahre 1790 (ein Jahr nach der Französischen Revolution) im Alter von 58 Jahren. Er war mit Ursula Stübe, der Tochter des größten Bauern am Ort verheiratet.

1790: Das Kloster Rot, sowie der Patronatsherr bestimmten als Nachfolger den Sohn von Friedrich Fröhlich, nämlich den im Jahre 1767 geborenen Norbert Fröhlich. Er übernimmt 1810 zusätzlich zu den Tätigkeiten seines Vaters auch noch das Amt des „Heiligenpflegers“ (heute Kirchenpfleger). Die Ausübung dieser Tätigkeit war den Pfarrern zuvor gesetzlich verboten worden. In die Amtszeit dieses Lehrers fällt auch der erste Schulhausneubau im Jahre 1821 (Standort gegenüber der Kirche, heute Sträuchergarten; vgl. das Bild auf Seite 6).

1821: Das neue Schulhaus wurde mit Ziegelsteinen vom Abbruch der Eligiuskapelle in Mennisweiler (Kiesgrube) gebaut. Der ganze Bau kostete 653 Gulden und 23 Kreuzer.

Zur damaligen Zeit gab es noch Winter- und Sommerunterricht, sowie Werktags- und Sonntagsschule. Am Ende eines Schuljahres begutachtete ein Gremium die Versäumnisse. Bei grobem Verstoß musste Strafgeld bezahlt werden. Auch Handarbeitslehre, Industrielehre genannt, stand auf dem Stundenplan. Norbert Fröhlich starb 1827.

1827: Das Amt des Lehrers bleibt in der Familie. Der Nachfolger von Norbert Fröhlich wird wieder dessen Sohn, ebenfalls mit Namen Norbert. In seiner Zeit als Lehrer erfolgte der Anfang von Stiftungen für die Schulspeisung von Armen und Kindern. Diese wurde vom Kirchenstiftungsrat festgelegt. Erster Stifter mit 400 Gulden war im Jahre 1840 der ledige Baptist Birkenmayer aus Roßberg. Norbert Fröhlich starb 1853 nach langer Krankheit im Alter von 55 Jahren.

1853: Da Lehrer Fröhlich schon längere Zeit seinen Dienst nicht mehr ausüben konnte, war schon im Jahre 1849 Schulgehilfe Obermayer angestellt worden. Er versuchte, im Jahre 1849 eine Blasmusik zu gründen, die aber bereits 1853 wieder aufgelöst wurde. Neuer Schulmeister wurde im Jahre 1853 für nur ein Jahr Karl Jäck aus Rot. Im Jahr 1853 wurde auch der erste Schulgemeinderat gewählt.

1854: Der Nachfolger von Karl Jäck war Gustav August Bauer aus Berg. Es war ein Lehrer, der sich mit fast allen im Dorf anlegte und deshalb oft Objekt von Unfug und Schabernack, vor allem von Seiten der Jugendlichen, wurde. Selbst mit Pfarrer Breitenbach stand Lehrer Bauer auf Kriegsfuß. Nach Meinung des Pfarrers entsprach dieser nämlich nicht dem Ideal eines christlichen Vorbilds. Lehrer Bauer starb aber reumütig, wie der Pfarrer in der Chronik im Jahre 1870 vermerkte. Weitere Bemerkungen des Pfarrers sind in der Chronik von der Visitation übertüncht worden.

1856: Der Totengräberdienst wird nun von der Lehrer- und Mesnerstelle getrennt. Der Grund war, dass es keine Träger mehr gab. Der Mesner hatte diese angeblich schlecht besoldet.

1870: Nachfolger des Verstorbenen wurde Josef Salat aus Lippach bei Ellwangen. Dieser war bereits seit 1863 in Molpertshaus. Ihm zur Seite stand Schulgehilfe Anton Höhnlein aus Künzelsau.

1883: Die Schülerzahl ist auf stolze 120 angestiegen. Es wird deshalb beschlossen, ein neues Schulhaus zu bauen.

1884: Nach heftigen Diskussionen und handfesten Auseinandersetzungen wurde als Standort der Platz auf dem der frühere Zehntstadel stand (heutiges Schulhaus) bestimmt. Bedenken über starken Wind oder Leichen- und Modergeruch aus dem nahe gelegenen Friedhof wurden verworfen. So konnte alsbald mit dem Bau begonnen werden. Der stattliche Neubau wurde zweiklassig mit einem Lehrerzimmer gebaut und kostete 15.314,38 Mark.

Der Schulleiter wohnte noch immer im Mesnerhaus.

1900: Josef Salat ging am 1. Juli 1900 mit 72 Jahren in Pension und baute anschließend mit seinem Sohn ein Haus (heutiges Haus Schüle).

Im Jahre 1900 wurde laut Gesetz der Schul- und Mesnerdienst getrennt. Der Schulverband kaufte daraufhin das alte Lehrerhaus (rechts neben Laden Holzwarth) als Lehrerwohnung. Die Schülerzahl war noch einmal auf 146 angestiegen.

Ab diesem Zeitpunkt sind nur noch wenige Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern zu finden.

1954: Der Schulverband bekam immer mehr Rechte in der Pfarrei. Er bestimmte sogar über den Friedhof. Die Schulgemeinde Molpertshaus beabsichtigte, ein neues Kriegerdenkmal zu errichten. Die Einweihung desselben fand am 24. Oktober 1954 durch Gefängnispfarrer Raible statt.

1961: Der Schulgemeinderat beschließt, ein neues Schulhaus und ein neues Lehrerhaus zu bauen. Das Lehrerhaus wurde in langer Bauzeit in den Jahren 1963 und 1964 errichtet  (heute Haus Maier). Das Schulhaus war bald nicht mehr nötig.

1963/64: Die Volksschule wird dreiklassig. Neben Schulleiter Kräutle und Frau Gassner kommt Lehrer Lothar Schnell nach Molpertshaus.

01.12.1966: Das Schulamt hat verfügt, dass mit Einführung der neunten Klasse die Klassen 5 bis 9 die Hauptschule Bergatreute besuchen müssen. Heftige Demonstrationen und Proteste der Eltern bleiben ohne Erfolg.

1969: Schulleiter Kräutle geht nach 30 Jahren Schuldienst in Molpertshaus in Pension.

1974: Der Schulverband wird aufgelöst.

1978: Der letzte Schulleiter, Alfred Schultheiß, verlässt nach acht Jahren die Schule in Molpertshaus. Es wird nur noch die 4. Klasse von Bergatreute und Molpertshaus in Molpertshaus unterrichtet.

1983: Das endgültige Aus der Schule in Molpertshaus. Die letzten Lehrerinnen waren Frau Bucher und Frau Gütler.

 

Jetzt lesen Sie einfach mal Folgendes…

Afugrnud enier Sduite an enier Elingshcen Unviresitiät ist es eagl, in wlehcer Rienhefoge die Bcuhtsbaen in eniem Wort sethen, das enizg wcihitge dbaei ist, dsas die estren und lzteten Bcuhtsbaen am rcihgiten Paltz snid. Der Rset knan ttolaer Bölsdinn sein, und Sie knönen es torztedm onhe Porbelme lseen. Das ghet dseahlb, weil wir nchit Bcuhtsbae für Bcuhtsbae enizlen lseen, snodren Wröetr als Gnazes. Tlole Sache einiginedclh!  

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Aus den Verhörprotokollen der Herrschaft Wolfegg im 30-jährigen Krieg

 

Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) war bekanntermaßen ein für die Bevölkerung furchtbares Ereignis. Brandschatzungen, Verwüstungen, Vergewaltigungen und andere Greueltaten sind aus dieser Zeit überliefert. In der Rötenbacher Bauernchronik von Hartmund Helber wird unter anderem auch aus den Verhörprotokollen der Herrschaft Wolfegg aus dieser Zeit berichtet.

„Im Jahre 1643 wird in Haisterkirch, Mittelurbach und Mennisweiler untersucht, wer fünf kaiserliche Soldaten umgebracht habe. Dabei geben die befragten Personen an, diese fünf hätten in der ganzen Umgebung ihr Unwesen getrieben.

So die Aussage von Georg Gerumb aus Mennisweiler: Als einer der fünf Reiter zu ihm kam, Nachtquartier, Licht und Futter von ihm begehrte, sei das Gesinde davongerannt. Auch er wäre gerne weggerannt, doch konnte er sich

nicht lösen von dem Soldaten. Der Soldat sagte denn auch zu ihm, er solle nicht versuchen zu entweichen, sondern ihnen zeigen, wo sie die Pferde unterstellen könnten. Da habe er „dem Soldaten zur Stube hinausgezunden“. Der Soldat fragte ihn unterdessen, wo der andere Bauer sei. Darauf gab er zur Antwort, er hole gerade sein Futter. Doch schon stand ein weiterer Soldat mit dem Pferd an der Wand, der zum ersten Soldaten sagte: „Hänge den Schelm auf, sonst reißt auch dieser aus!“. Er gab darauf zur Antwort, wenn sie ihm nicht tun werden, dann wolle er nicht ausreißen. Nun gab er dem ersten Soldaten sein Licht und sagte, er wolle noch ein weiteres holen. Er erkannte seinen Vorteil, entwich zum Hause hinaus und dem Walde zu. Beide Soldaten liefen ihm noch nach und drohten, das Haus abzubrennen, da sei er wieder umgekehrt und ins Haus gegangen.“ Soweit die Schilderung aus der Rötenbacher Bauernchronik, Seite 86.

Leider wissen wir nicht, auf welchem Hof dieser Bauer war. Schon 1527 war ein Paul Gerung (es wurde verschiedentlich Gerung oder Gerumb geschrieben) Heiligenpfleger der Kirchenfabrik Molpertshaus (Kirchenpflege).

Ebenso ein Hans oder Johannes von 1604 bis 1640. Besagten Georg Gerumb finden wir in den Kirchenbücher erstmals im Jahre 1641 als Zinspflichtiger der Kirchenfabrik. Letztmals lesen wir von einem Gerumb in Mennisweiler (Hans Gerumb) im Jahre 1663 und in Zwings von einem Michael Gerumb, der 1719 starb.

 

Trinkwasser in Mennisweiler

 

Sauberes und hygienisch einwandfreies Trinkwasser war schon immer ein unschätzbares Gut, auch für Mennisweiler. Früher war es üblich, dass fast jeder Hof einen eigenen Brunnen hatte. Die Regel war: Wer den tiefsten Brunnen grub, für den war die Wasserversorgung kein Problem.

Später gab es so genannte Wassergemeinschaften mit Leitungswasser, meist Oberflächenwasser, das aus dem Bergrücken im Norden des Ortes drückte und in Brunnenstuben gesammelt wurde. Wassermangel in Trockenzeiten war oftmals Anlasse zu Zwistigkeiten.

1956 wurde von dem „Brunnenschmecker“ Paulmichel aus Kißlegg ein 26 Meter tiefer  Brunnen gegraben. Der Ort bekam nun eine zentrale Wasserversorgung. Auf dem Bläsiberg wurde ein 200 Kubikmeter fassender Hochbehälter errichtet und ein vollkommen neues Leitungsnetz verlegt.

In den 80-iger Jahren war jedoch wieder Wasserknappheit. Eine Notleitung von Oberurbach zum Hochbehälter auf dem Bläsiberg sorgte für Abhilfe. Daraufhin erfolgte dann bald der Beschluss, dass Mennisweiler an die „Obere Schussentalgruppe“ anzuschließen sei, was alsbald erfolgte. Viele Mennisweiler hatten danach Sehnsucht nach dem hervorragend schmeckenden Wasser aus dem alten Brunnen. In der Waldseer Zeitung wurde ein Foto mit einer Bildunterschrift veröffentlicht, die eine Gedenktafel, von einem bekannten Mennisweiler Bürger aufgestellt, mit der Aufschrift: „Letzte Ehre. Im Brunnen ist Ruh. Hier ruht unser gutes Wasser. 1955 – 1984. Totenmahl am 28.9.1984“

Die Schwäbische Zeitung schrieb seinerzeit: „Spaßvögel singen in Mennisweiler auf einer Holztafel einen Abgesang auf den Mennisweiler Trinkwasserbrunnen, der seit 1. Juli nicht mehr gebraucht wird. Seit diesem Zeitpunkt wird die Ortschaft von „Oberen Schussentalgruppe“ mit Wasser versorgt. Anlaß für einen Anschluß an den Gaisbeurer Wasserversorgungsverband war ein Wassernotstand im August vergangenen Jahres. Nicht allen Mennisweilern ist der Anschluß an eine fremde Wasserquelle leichtgefallen. Die Tafel zeugt davon. Mit einem zünftigen Fest lässt sich manches richten. Das dachten wohl Ortschafts-verwaltung und Versorgungsverband, als sie alle Mennisweiler Wasserabnehmer zu einem „Wasserfest“ heute um 20 Uhr in den „Adler“ in Molpertshaus einluden. Mitgestaltet wird das feuchtfröhliche Fest von der Musikkapelle, Liederkranz und dem gemischten Chor aus Molpertshaus.“

Heute sind wir über die damalige Entscheidung froh. Denken wir nur an die Landwirtschaft (Wasserschutzgebiet). Außerdem liefert uns die Schussentalgruppe genügend Wasser zu einem relativ günstigen Preis.   Inhaltsverzeichnis Ausgabe 6

 

Zur Erinnerung an Pfarrer Adolf Heinzmann

Pfennigfuchserei von und mit Pfarrer Adolf Heinzmann

 

Im Betha-Ruf, dem Katholischen Kirchenblatt für die Pfarreien Reute, Mochenwangen, Wolpertswende und Molpertshaus, vom 7. September 1952 bringt der Molpertshauser Pfarrer Adolf Heinzmann seinen Ärger über die offensichtliche Pfennigfuchserei seiner Schäflein zum humorvollen Ausdruck. Dort steht unter der Überschrift „132 rote Pfennige im Klingelbeutel“ folgendes geschrieben.

„Es geht allmählich der Opferung zu. Der Klingelbeutel rückt in die Nähe. Der Baltes greift in den Hosensack und zieht das Portmanné heraus, sein Auge sucht in den Münzen, aber entdeckt keinen einzelnen Roten. „Kannst Du mir nicht 2 Pfennig wechseln?“, sagt er zum Nachbarn, „ich muß opfern“.

Kommen da also beim Zählen des Sonntagsopfers 132 Rote Pfennige heraus. Was ist aber 1 Pfennig? 1 Pfennig = der 100. Teil eines Tanzbendels; der 20. Teil einer Ansichtskarte; der 10. Teil eines Schlotz-Eises; der 5. Teil eines Schuhnagels; eine weggeworfene Zigarettenkippe.

Für 1 Ei erhält der Bauer 21 Pfennig und den 21. Pfennig von 1 Ei wirft er in den Klingelbeutel, nicht alle, aber 132 Personen handeln so!

Wer gibt auch heute noch einer Kellnerin 1 Pfennig Trinkgeld? Aber man schämt sich nicht, dem Herrgot 1 Pfennig zu geben. Die Religion hat doch den miserabelsten Kurs auf der Welt. Sie gilt einem Großteil von Menschen nichts mehr oder gerade so viel wie 1 Pfennig.

Was würdest du sagen, wenn du vom Vater 1 Pfennig Sonntagsgeld erhieltest? Was würdest du sagen, wenn dein Bräutigam dir am Sonntag oder zum Namensfest 1 Pfennig spendierte? Ausspucken oder ins Gesicht werfen!

Wagt man zu denken dass Gott etwa kein Ehrgefühl hat? Glaubst du, Pfennigopferer, dass Gott sich vor dir verbeugt und dir die Hand küsst ob deiner Freigebigkeit? Also den Wert einer weggeworfenen Zigarettenkippe bietet man Gott an. Und wenn man den Pfennig noch spalten könnte, würde man nicht davor zurückschrecken, jeden Sonntag nur die Hälfte eines Pfennigs zu opfern. Du gibst mir zur Antwort: „Man muß sparen“. Sonderbar, dass man dann sparen muß, wenn man in die Kirche geht.

Drei Evangelien bringen das Wort des Heilandes: ‚Mit dem gleichen Maße, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.“

Soweit der Leitartikel von Pfarrer Heinzmann im „Betha-Ruf“ vom 7. September 1952. Heute, 55 Jahre später, ist alles anders. So etwas könnte heute gewiss nicht mehr vorkommen. Heute gibt es nämlich fast keine Pfennige mehr….

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Pfarrer Heinzmann und seine Anordnungen  

 

Der Sommer 1957 muss offensichtlich ein sehr heißer gewesen sein. Pfarrer Heinzmann verweist jedenfalls am 23. Juni 1957 im „Betha-Ruf“ auf die erst kürzlich erfolgte Kanzelverkündigung: „Auf die Kanzelverkündigung bezüglich der Kleidung in der Kirche wird noch einmal hingewiesen. Das Gotteshaus ist weder ein Badestrand noch ein Fleischmarkt, sondern das, was das Wort besagt: Haus Gottes.“

Im darauf folgenden Jahr greift er durch. Offensichtlich lässt die Aufmerksamkeit mancher Gottesdienstbesucher zu der Zeit einiges zu wünschen übrig. Im schon bekannten „Betha-Ruf“ ist jedenfalls am 17. August 1958 zu lesen: „Als Ordner in der Kirche während des Gottesdienstes wurde Rudolf Lay aufgestellt. Er hat die Vollmacht des Pfarrers und kann solche aus der Kirche weisen, die den Gottesdienst durch ungebührliches Verhalten und durch Schwätzereien stören“.

 

Schon früher hat es der Pfarrer offensichtlich nicht allen recht machen können….

 

Am 24. April 1955 war der Guthirtensonntag. Diesen nahm Pfarrer Heinzmann im „Betha-Ruf“ zum Anlass, um über die vielfältigen Erwartungen an den Pfarrer zu philosophieren. Pfarrer Heinzmann schrieb unter der Überschrift „Wie siehst Du Deinen Pfarrer?“ folgendes:

„Das Thema Hirt und Herde liegt am Guthirtensonntag auf der Zunge wie auch in der Feder. Der Schreiber dieser Zeilen kommt in vielen Gemeinden herum und dabei kann man die interessantesten Urteile über den eigenen Pfarrer hören. Zumeist widersprechen sich die Ansichten über den ein- und denselben Pfarrer vollständig: „Wir hätten keinen besseren kriegen können.“ Und daneben: „Hoffentlich haut er bald ab.“ Woher das nur kommen mag? Diese Frage stößt uns auf den Kern des Problems.

Keinem Pfarrkind kann man es verwehren, sich eine eigene Meinung über seinen Pfarrer zu bilden. Aber alle Pfarrkinder sollten sich ein bisschen Mühe geben, ihren Pfarrer richtig zu sehen. Darunter versteht man das Wesen, also die Hauptsache, wie er denkt, was er will, wovon sein Inneres erfüllt ist, was ihn freut, was ihn traurig macht, seine Methode und sein Ziel. Unwesentlich ist, ob der Pfarrer eine Hornbrille trägt oder einen Mayserhut, ob er raucht oder nicht raucht, ob er gern ein Viertel Wein trinkt oder nur saure Milch, ob einer Rosen züchtet oder einen Dackelhund hält. Man hüte sich, auf Grund einer einseitigen Beurteilung den Pfarrer zu verkennen und den Stab über ihn zu brechen. Ist der Pfarrer wirklich nur Büromensch oder nur Finanzler oder nur Gschaftlhuber oder nur Polizeichef oder nur Kritikaster oder nur Gehaltsempfänger, der in aller Gemächlichkeit auf seine Pension wartet?

In den Köpfen liest man gerne folgende Zeitungs-Annonce:

Such-Anzeige: Gesucht werden Pfarrer, die uns in Ruhe lassen und schöne Leichenreden halten können. Im Namen des lieben Friedens: Viele gut meinende Katholiken.

Noch eine Fabel! Etliche störrische Böcke einer Schafherde machten Revolution gegen ihren Schäfer, setzten ihn ab und suchten sich nun selbst ihre Weideplätze aus. Nicht weit von den Hürden war ein fetter junger Klee in den Mai hineingewachsen. Alle Schafe freuten sich über dieses leckere Mal, fraßen und platzten förmlich auseinander. Da legten sich auch die Böcke vor Schmerzen auf den Rücken, streckten ihre Füße zum Himmel, und da sagte einer reuevoll zum andern: ‚Du, so ein Schäfer ist doch eine intelligente Einrichtung’.“

 

 

Die Geschichte der Firma Neyer in Mennisweiler – Spurensuche zum 175. Jubiläum

 

Seit 175 Jahren spielen Neyers in Mennisweiler und Umgebung eine – wie noch zu sehen sein wird – nicht unbedeutende Rolle. Am 21. und 22. April des Jahres 2007 wurde dieses Jubiläum in Mennisweiler in einem äußerst würdigen Rahmen begangen. Unter anderem wurde am Sonntag, 22. April von Pater Hubert Veeser vom Salvatorkolleg in Bad Wurzach ein neu gestaltetes Wegkreuz gesegnet. Die Geschichte der Neyers in Mennisweiler beginnt in Lichtenstein.

Josef Anton Neyer (1800 bis 1881) aus Triesen-Vaduz / Lichtenstein kam zusammen mit seinem Bruder Liberat (siehe Wirtschaft „Adler“) als Hirtenbube in unsere Gegend. Josef Anton erlernte das Schmiedehandwerk und erhielt 1831 den Meistertitel als Hufschmied.

Ebenfalls 1831 heiratete er die Tochter von Anton Multer und seiner Frau Veronika Heckler. Anton Multer war bereits 1817 nach Molpertshaus gezogen und kaufte dort eine Landwirtschaft (heute der ehemalige Hof Butscher). Er überließ das Anwesen in Mennisweiler (heute Harsch) der Tochter Genovefa und ihrem Mann Willibald Ernle.

Als diese Familie dann allerdings nach Söldenhorn zog, übernahm Josef Anton Neyer und Anna Maria Multer (eine Schwester von Genovefa) wiederum dieses Anwesen. Es wurde eine Schmiedewerkstatt angebaut (vermutlich der Anbau an der heute noch bestehenden Hofstelle).

Josef Anton Neyer und seine Frau hatten 13 Kinder, von denen drei schon kurz nach der Geburt starben. Von den sechs überlebenden Söhnen wurden zwei Schmiedemeister, zwei Wagnermeister, einer Rechenmacher und ein weiterer Metzger und Wirt. Alle sechs erwarben oder bauten sich eigene Handwerksstätten, jeweils mit einer Landwirtschaft (siehe eigenen Artikel).

Der älteste lebende Sohn Alois (1834 bis 1899) heiratete 1867 Balbina Sproll aus Knetzenweiler. Er erwarb von seinem Nachbar Anton Glückshafen ein Grundstück und baute Wohnhaus mit Ökonomiegebäude und eine neue Schmiedewerkstatt. Das elterliche Anwesen übernahm seine Schwester Maria Anna mit ihrem Mann Peter Paul Rist aus Waldsee.

Wieder erlernten von den insgesamt 12 Kindern der Familie drei Söhne das Schmiedehandwerk. Maximilian, der älteste Sohn (geb. 1873 bis 1942), übernahm 1904 den elterlichen Betrieb. Er heiratete Kreszentia Rief aus Wolfartsweiler bei Unterschwarzach. Von den insgesamt sieben Kindern der Familie erwählten wiederum zwei Söhne den Schmiedeberuf. Sohn Wilhelm (1906 bis 1984) übernahm 1935 Landwirtschaft und Schmiede. Er heiratete 1943 Angela Holzwarth aus Molpertshaus. In seine Zeit erfolgte schon ein Umbruch in der Landwirtschaft.

Hölzerne Räder an den Erntewagen wurden durch gummibereifte ersetzt. Statt der alten Leiterwagen wurden nun so genannte Brückenwagen gefertigt. Die Gespanne, egal ob Pferd, Ochsen oder Kühe, wurden von den ersten Traktoren abgelöst. Wilhelm erkannt diese Entwicklung und erweiterte seine Schmiede. Esse und Amboss wurden nur noch zum Schmieden von Pflugscharen gebraucht. Trotz dieser Entwicklung erlernten seine beiden Söhne Wilhelm und Hermann das Schmiedehandwerk. Sohn Wilhelm machte aber zusätzlich eine Lehre als Landmaschinenmechaniker.

1970 gründet Wilhelm (geb. 1948), nach erfolgreich bestandener Meisterprüfung im Landmaschinensektor, zusammen mit seinem Bruder Hermann Neyer (geb. 1950) das Unternehmen Neyer Landtechnik.

1977 wird auf eigenem Grund und Boden in der Mennisweiler Bürgerstraße eine neue, den Ansprüchen der heutigen Zeit entsprechende Landmaschinenwerkstatt, erbaut.

1994 wird die neue Firma mit Namen „Neyer Stahltechnik“ quasi als zweites Standbein gegründet.

1997 zieht Neyer Stahltechnik ins neue Betriebsgebäude in der Roßberger Straße 46 am Ortsrand von Mennisweiler in Richtung Roßberg ein.

Im Jahre 2007 feiert der Betrieb Neyer sein 175jähriges Jubiläum. Inzwischen sind zwei der vier Kinder von Wilhelm und Roswitha Neyer, nämlich Thomas und Martin, als Ingenieure im Betrieb tätig. Die Tradition der Firma Neyer wird also weitergehen.

 

Von Mennisweiler aus zogen die Neyers in die Umgebung….

 

Den Namen Neyer gibt es in der Umgebung häufig. Wie aus folgenden Ausführungen zu ersehen ist, haben die Neyers alle ihren Ursprung in Mennisweiler und gehen fast alle auf den bereits mehrfach erwähnten Josef Anton Neyer (geb. 1800) zurück, der vermutlich in der Zeit von 1815 bis 1820 als Hütebub mit seinem Bruder Liberat aus Vaduz in Lichtenstein nach Mennisweiler kam.

Besagter Josef Anton Neyer erwarb im Jahre 1831 das Meisterrecht als Hufschmied und heiratete im selben Jahr auf das kleine Anwesen Multer und errichtete dort eine Schmiede. Dieses Ehepaar hatte sechs Söhne. Alle sechs erlernten Berufe und suchten die Selbständigkeit als Schmiede, Wagner, Wirte, Rechenmacher und Bauern. Ihre Wege führten sie nach Molpertshaus, Binzen und Eintürnen.

In den Jahren 1868/70 baut Alois Neyer (1834 bis 1899) das bis vor ein paar Jahren noch stehende Wohn- und Ökonomiegebäude, sowie die heute noch stehende alte Schmiede und vermutlich auch das Pfründnerhaus in Mennisweiler. Dessen Sohn Maximilian (1873 bis 1942) war der Großvater von Wilhelm und Hermann Neyer, die heute noch die Chefs bei Neyers sind. Der Vater der beiden hieß ebenfalls Wilhelm und wurde 1906 geboren.

Der zweite Sohn des „Stammvaters Neyer“ hieß Engelbert Neyer (1837 bis 1916), war ebenfalls Schmied und erbaute 1870 das heute noch stehende Anwesen „Bergschmied“ in Binzen. Dessen Sohn Karl wiederum, sein Enkel Albert und sein Urenkel Albert werden ebenfalls Schmied in Binzen. Leider musste der Betrieb in den 70iger Jahren dem Strukturwandel in der Landwirtschaft weichen.

Der Sohn der Tochter Elisabeth mit Namen Franz Xaver wurde ebenfalls Schmied und zog nach Haisterkirch. Aus dieser Schmiede ist der heutige Betrieb Metallbau Neyer in Haisterkirch entstanden.

Sohn Lorenz (geb. 1844) wurde Wagnermeister und kaufte 1874 das kleine Anwesen Vonier in Mennisweiler (früher Georg Neyer) und errichtete eine Wagnerwerkstätte. 1902 übergab dieser an seinen Sohn Alois, ebenfalls Wagner. Lorenz Neyer zog nach Eintürnen, wo er eine Landwirtschaft mit einer Gaststätte kaufte.

Sohn Maximilian, Wagnermeister erbaute sich im Jahre 1863 ein Anwesen (später Wirtschaft Fässler), in Mennisweiler. 13 Jahre später verkaufte er das Anwesen und baute 1876 in Molpertshaus das Anwesen Motz (heute Kraußmüller). Offensichtlich liebte Maximilian Neyer Veränderungen. So verkaufte er jedenfalls auch dieses Gebäude im Jahre 1881 und errichtete eine kleine Landwirtschaft (heute Haus Josef Welte) in Molpertshaus. Das Ehepaar blieb kinderlos.

Ein weiterer Sohn von Alois Neyer mit Namen Josef (geb. 1842) war Rechenmacher. Er heiratete 1870 Josefa Keßler und baute sich ein Haus in Mennisweiler (heute Konrad Liebrich). Josef Neyer war viele Jahre Feuerwehrkommandant, zog dann aber im Jahre 1907 nach Steinach.

Schließlich erbaute der im Jahre 1872 noch ledige Andreas (1848 bis 1924), von Beruf Metzger und Wirt, sich ein Anwesen in Molpertshaus (heute Hof Lay) und eröffnete eine Wirtschaft zur „Frohen Aussicht“. Als 1878 der Wirt der „Frohen Aussicht“ in Mennisweiler, Franz Josef Ott stirbt, heiratete er die Witwe, verkaufte seinen Besitz in Molpertshaus und übernahm Wirtschaft und Landwirtschaft in Mennisweiler. Aus wessen Grund auch immer, verkaufte er 1886 das gesamte Anwesen und baute um die Jahrhundertwende ein neues Haus (heute Thea Hartmann). Sein Sohn Josef betrieb hier später eine Schreinerei.

 

 

 

 

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Ausgabe 5 / August 2004

 

Liebe Leserinnen und Leser des Molpertshauser Lindenblatts!

Wiederum pünktlich zum Lindenfest des Musikvereins Molpertshaus erscheint die diesjährige Ausgabe des Lindenblatts. Heuer ist Engetweiler die Ortschaft der Kirchengemeinde, über die nähere Einzelheiten zu erfahren sind.

Wissen Sie, was die Menschen aus unserer Kirchengemeinde früher gegen die Engerling- und Mäuseplage getan haben? Wissen Sie, dass ein Mennisweiler schon einmal die Ehre hatte, die Heilig-Blut-Reliquie in Bad Wurzach zu tragen? Wissen Sie, warum der Standort des früheren Schulhauses und heutigen Proberaums des Musikvereins einstmals heftig umstritten war? Wissen Sie, dass es schon einmal mit einer Geldstrafe belegt wurde, auf die Kirchenempore zu gehen? Nein? Dann wird es höchste Zeit, das fünfte Molpertshauser Lindenblatt zu studieren. Wir wünschen viel Spaß und hoffentlich anregende Unterhaltungen über die Zeit vor unserer Zeit...

 

Die Herausgeber des Molpertshauser Lindenblatts

Rudolf Schuhmacher und Günter Brutscher

 

Die Linde in Engetweiler und die Geschichte des Dorfes

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Die Engetweiler Dorflinde wurde 1949 gepflanzt und steht mitten im Dorf. Ihr Stammumfang in einer Höhe von einem Meter beträgt 1,65 Meter. Ihr geringes Wachstum ist wohl auf Wassermangel (Kreuzung mit Teerfläche) zurückzuführen. (vgl. die Linde auf dem Hof Fischer-Wild, die 1948 gepflanzt wurde und bereits einen Stammumfang von 2,95 Meter aufweist).

1364 – In einem Rodel vom Jahre 1534 steht geschrieben, dass das Chorstift Waldsee seit dem Jahre 1364 einen Hof in Engetweiler besitzt.
1382 – Die Witwe Ursula Beck in Waldsee war eine besondere Wohltäterin
nd Gönnerin des Chorstiftes von Waldsee. Sie war eine reiche und wohltätige Bürgerin und verfügte über viele Güter. Zu einer ewigen Pfründe stiftete sie unter anderem ein Gut zu Engetweiler dem Chorstift.

1527 – Ein Jakob Gresser wird als Heiligenpfleger der „Kirchenfabrik“ Molpertshaus genannt. Er war aus Engetweiler.

1618 - Die Kapelle von Furt (damals Kapelle von Engetweiler) wird von Georg Hembrod gebaut.

1720 – Engetweiler gehörte bis 1764 zur Pfarrei Haisterkirch. Dort wurden auch die Toten beigesetzt. Der Zehnte musste also teilweise weit gefahren werden. Die Landvogtei Schwaben, das Reichsgotteshaus Baindt und das Reichsgotteshaus Rot, also die drei Grundherren, beschlossen deshalb, gemeinsam einen Zehnstadel in Engetweiler zu errichten, um dort die Zehntfrüchte zu lagern.

Der entsprechende Vertrag wurde am 23. Oktober des Jahres 1720 von Seiten der Engetweiler Gemeinde von Hansjörg Ott, Hans Michael Felder, Michel Hirle und der Witwe des verstorbenen Johann Sommer, sowie von Josef Felder von Poppenhaus unterschrieben.

Erstellt wurde der Stadel im Jahre 1821 auf dem Grundstück des Bauern Michael Felder (heute Hof Weber), dem dafür auf 40 Jahre das Stroh von hundert Garben Hafer und hundert Garben Vesen überlassen wurde.

Damals gab es in Engetweiler vier Höfe und vier Sölden. Vermutlich wurde dabei der Hof in Sommers mitgezählt.

Die Oberamtsbeschreibung notiert für Engetweiler: Katholischer Weiler mit 29 Einwohnern; gehörte früher zum Kloster Weingarten und zu Waldsee.

1764 – Engetweiler kommt zum neu gegründeten Vikariat in Molpertshaus

1850 – Um das Jahr 1850 wurden die Zehntabgaben abgeschafft und somit war der Zehntstadel überflüssig. 1853 wurde er an Fidel Gaupp verkauft und dazu noch 30 Morgen Feld vom Bräuhaus dazugegeben.

 Das älteste Haus im Ort ist zweifellos das Anwesen Baumeister. Es wurde vermutlich um das Jahr 1700 erbaut. Die Familie Baumeister ist auch die am längsten in Engetweiler lebende Familie. Michael Baumeister, geboren 1779 in Ammendingen, heiratete im Jahre 1820 Kreszentia Fahrnerin aus Otterswang. Die beiden ließen sich auf dem heutigen Anwesen nieder. Die heutige Besitzerin ist somit bereits die fünfte Generation seit dieser Zeit.

Das ursprünglich älteste Anwesen im Dorf und damit die Hausnummer 1 trug das heutige Mehrfamilienhaus Hager / Brauchle. Es wurde einstmals als „Langsches Gut“ bezeichnet. Langsches Gut deshalb, weil nachgewiesenermaßen von 1760 bis 1826, wahrscheinlich aber schon vorher, der Besitzer Lang hieß. So war Johannes Lang von 1778 bis etwa 1798 Kapellenpfleger der Kapelle in Furt, wie die heute noch vorhandenen Akten der Kapellenpflege dies beweisen. Dieser ehemals bedeutende Hof hatte seit 1760 nicht weniger als elf Besitzer rund brannte mehrmals ab.

Der größte Hof im Dorf war früher und heute das Anwesen Birk / Bachhofer. Obwohl im Jahre 1826 ein Großteil der Fläche verkauft wurde, blieb das früher genannte „Gauische Hofgut“ der größte Hof im Ort. Das Gebäude stand aber einstmals links der Straße nach Sommers. Seit dem ersten nachweisbaren Besitzer Matthäus Graf vom Jahre 1755 gab es ebenfalls nicht weniger als zehn Eigentümer.

In Engetweiler brannte es oft und so blieb auch das Anwesen von Anton Lander nicht verschont. Es gehörte früher zu den so genannten „Sölden“ und beherbergte ab 1870 zwei Familien. Der erste nachweisbare Besitzer war ein Josef Anton Wild aus Ampfelbronn, der von Beruf Schuster war. Die Familie Lander ist seit etwas mehr als 100 Jahren in Engetweiler.

Die Nummer 5 trug früher und heute das Anwesen Küble. Nach Georg Bendel, der im Jahre 1782 Eigentümer wurde, übernahm 1814 Georg Keller aus Grund das Anwesen. Diese Linie setzte sich bis zum heutigen Besitzer Rudolf Küble fort. Sein Vater heiratete eine Nachfolgerin von diesem Georg Keller.

Das Haus Nummer 6, „Bernhardines Lädele“, früher mit einer Landwirtschaft, wurde vor Jahren abgerissen und musste dem neuen Haus von Elmar Lerch weichen.

Das Haus Nummer 7 trägt das frühere Zehntstadelanwesen (heute Hof Weber), über das wir schon eingangs berichtet haben.

Über das Haus Nummer 8, heute Haus Rold und früherer Geburtsort des Gründers der Firma Carl Platz GmbH & Co. haben wir im Lindenblatt Nummer 3 bereits berichtet. Nur soviel: Auch hier waren seit dem Jahre 1800 nicht weniger als zehn Besitzer eingetragen.

Das waren die ältesten nachweisbaren Häuser in Engetweiler. Einen Schub in der Bevölkerungszahl gab es im Jahre 1879 nach dem Bahnbau.

(Fotos: Engetweiler Dorflinde; Haus Baumeister)


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Eifrige Leser unseres Lindenblattes werden es längst bemerkt haben. In jeder unserer Ausgaben beschreiben wir so genannte Originale, also Menschen, die nicht in das Schema ihrer Zeitgenossen passten. Dabei bevorzugen wir in erster Linie solche, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens standen und oftmals von ihren Mitmenschen belächelt oder zumindest wegen ihrer Armut bedauert wurden. Sie gehörten zum Alltag, man schenkte ihnen aber keine große Aufmerksamkeit. Rosa und Andreas Hirler (Endres genannt) gehörten zu dieser Kategorie von Menschen. Doch der Reihe nach. Ein gewisser Benedikt Hirler aus der Nähe von Deuchelried kaufte im Jahre 1878 mit seiner Frau Veronika Edelmann das kleine Haus des Matthäus Rist aus Engetweiler. Im Juli desselben Jahres kam Andreas, der später Endres genannt wurde, zur Welt. Zusammen mit seinen Brüdern Wilhelm und Georg wuchs er in bescheidenen, ja geradezu ärmlichen Verhältnissen auf. Im Jahre 1904 starb seine Mutter. Der Vater Benedikt Hirler heiratete Bernhardine Fauter aus Oberurbach (Wirtschaft). Es kamen drei weitere Kinder auf die Welt. Als Bürstenmacher mit geringem Einkommen unterstützte Endres Hirler die Familie mit finanziellen Mitteln.

Im Jahre 1928, also erst mit 50 Jahren heiratete er nach dem Tod seines Vaters die damals 38-jährige Rosa Emele aus der Höll bei Alttann. Schon am Tage der Hochzeit verlor Rosa ihren Ehering auf dem Weg über die Wiesen vom Bräuhaus nach Engetweiler. Ihre Ehemann Endres hat ihr daraufhin einen neuen Ehering aus einem Geldstück gemacht. Trotz ihrer verschiedenen Charaktere passten die beiden gut zusammen. Er war ein etwas menschenscheuer, aber ehrlicher Typ, der im Umgang mit seinen Zeitgenossen sehr vorsichtig war. Rosa dagegen war eine lebenslustige, etwas naive Frau, die auch mal gerne eine Halbe Bier oder ein Glas Wein trank. Um dieses spendiert zu bekommen (sie hatte meistens kein Geld), sang sie in der Wirtschaft den Gästen immer wieder so genannte Lumpenlieder vor, was immer man auch darunter verstehen mag. Ihr Mann war mit dieser Lebensweise nicht sehr einverstanden und verpasste ihr schon mal eine handgreifliche Strafe, die sie aber demütig annahm und ihm bescheinigte, dass er schon recht getan habe, weil sie es ja verdient hätte.

Rosa    Hirler   war   auch   ein   willkommenes

Objekt, wenn es galt, jemanden in den „April“ zu schicken. Eine Anekdote dazu: Ein Nachbar schickte Rosa zu Josef Keller, um einen „gläsernen Holzschlegel“ zu holen. Dieser wiederum verwies sie an Bergschmid Albert Neyer, der sie dann über den Schabernack aufklärte.

Andreas und Rosa Hirler lebten – wie schon eingangs erwähnt – auch für die damalige Zeit in ärmlichen Verhältnissen. Ein bescheidenes, ja etwas verwahrlostes Haus war ihr Domizil (siehe Foto). Von der Straße aus kam man, bedingt durch das offene Kamin, in die total verrußte Küche. Über eine halsbrecherische Treppe musste man in den oberen Stock und somit in das Schlafzimmer. Die Stube diente zusätzlich als Werkstatt für den Bürstenmacher, wie uns seine ehemaligen Nachbarn Anton Lander und Anna Baumeister erzählten.

Die Bürsten verkaufte er in der näheren Umgebung. Eine Kuh und eine Ziege lieferten die Milch zum täglichen Verzehr und Rohstoff für selbst gemachte Butter und Käse. Schuhe und Kleider bekamen sie meistens geschenkt, denn eine Sozialhilfe gab es damals noch nicht.

Längst ist das 1837 gebaute Haus vom Erdboden verschwunden. Heute steht auf diesem Platz das schmucke Haus des Klaus Lander und seiner Familie. Andreas starb 1951 mit 73 Jahren. Seine Frau lebte bis zum Jahre 1968. Sie waren kinderlos und so ging ihr bescheidener Besitz in Form von Rentenbasis an ihre Nachbarn über. So lebte Rosa im Alter dann doch noch einigermaßen sorgenfrei und hatte genügend zu essen.

Ihre Gräber auf dem Friedhof in Molpertshaus sind längst abgeräumt. Kein Denkmal, kein Haus, keine Nachkommen erinnern an ihr Dasein. Doch es waren Zeugen der Vergangenheit, und sie teilten das Schicksal vieler in der damaligen Zeit. Arm geboren, ärmlich und bescheiden gelebt und ebenso gestorben, doch vielleicht lebten sie zufriedener als wir heute in unserem Wohlstand.

(auf dem Foto kann man Rosa und Endres Hirler und deren Kuh und Ziege mit etwas Phantasie erkennen)

   


Der Dorfchronist der Kirchengemeinde Molpertshaus, Rudolf Schuhmacher, erinnert sich an die „gute, alte Zeit“, als auch in unseren Dörfern und Weilern noch Menschen auftauchten, die „auf der Stör“ waren.

Den älteren von unseren Lesern dürfte der Ausdruck „Stör“ noch ein Begriff sein. Die Jungen werden damit allerdings nicht viel anfangen können. Nun, es waren Handwerker, die auf den Höfen die anfallenden Reparaturen und Neuanfertigungen an Ort und Stelle erledigten.

So war etwa der Schuhmacher ein steter Gast und zwar nicht nur auf den Höfen, sondern auch in den Privathäusern. Ich erinnere mich noch gut an den Schuhmacher Anton Gresser aus Ehrensberg. Pünktlich morgens um 7 Uhr erschien er an dem vorher angekündigten Tag, um seine Arbeit zu beginnen. Dabei hatte er bereits mit Rucksack und Tasche den Weg durch Wald und Wiesen von Ehrensberg nach Mennisweiler hinter sich. In der Wohnstube wurde in einer Ecke ein alter Teppich oder eine so genannte „Kuhplane“ ausgelegt. Auf der Bank breitete Schuhmacher Anton Gresser sein Handwerkszeug aus. Sofort begann er mit der Arbeit. Schuhe wurden neu besohlt, Riester angenäht, Sohlen benagelt und hinten, am Absatz, und vorne, an der Sohle, so genannte „Eisele“ angebracht. Dies diente dazu, um die alten Schuhe möglichst lange zu erhalten. Neue Schuhe wurden meist aus selbst gegerbtem Leder angefertigt. Das oftmals harte Leder musste zunächst ins Wasser gelegt werden, damit es weicher und somit leichter zu verarbeiten war. Die Leisten, ein nachgebildeter Fuß aus Holz, bestimmte die spätere Größe der Schuhe. Nach zwei bis drei Tagen gingen die Aufträge meist zu Ende und der Schuhmacher wechselte zum nächsten Bauer. Es versteht sich von selbst, dass er während seiner Arbeit Essen und Trinken im Hause erhielt. Anton Gresser, geboren 1880, war ein angenehmer und stets gut gelaunter Zeitgenosse. Uns Kindern konnte er während der Arbeit stundenlang Räubergeschichten erzählen, die er auf seinen täglichen Gängen durch Wald und Flur bei Nacht und Nebel angeblich erlebt hatte.

Etwa einmal jährlich kam der Sattler auf den Hof, um die Pferde, Ochsen und Kuhgeschirre zu flicken, neue Treibriemen anzufertigen, aber auch um die Matratzen mit Seegras oder „Helben“ (Haferspelzen) neu zu befüllen. Sattler Weixler (wir berichteten in einem früheren Lindenblatt bereits von ihm) und Georg Sonntag waren die Bekanntesten aus der Branche.

Mehrmals im Jahr wurde die Näherin (Schneiderin) ins Haus gerufen. Ihre Aufträge reichten von neuen Kleidern über die Herstellung von Hemden bis zur Anfertigung eines so genannten „Leible“, eine Art Mieder, an dem mit einem elastischen Band (Strapsen) die Strümpfe befestigt wurden (für Mädchen und Buben!).

Eine Ehre und Herausforderung für jede Näherin war die Anfertigung eines Brautkleides. Es wurde unter äußerster Geheimhaltung im Hause der Braut genäht und erst am Tage der Hochzeit wurde das Geheimnis gelüftet. Natürlich war damit die Berechtigung der Näherin verbunden, den Hochzeitsgästen den „Maien“ anzustecken. Dafür gab es reichlich Trinkgeld.

In unserem Haus war „Lerche Nähre“ (Theresia Lerch) nicht nur wegen ihrer Nachbarschaft eine vortreffliche und gern gesehene Näherin. Es gab aber mehrere von dieser Zunft in den verschiedenen Orten.

Nicht direkt zu den „Störleuten“ gehörte der „Weißler“. Es war meist ein Maurer im Rentenalter, der mit Löschkalk, Schaber, Schablone und Maurerpinsel erschien, um die oftmals stark verrußte Küche (der Herd wurde mit Holz beheizt) und den Hausgang zu weißeln. Dabei musste die Küche total ausgeräumt werden. Nach Entfernung der gröbsten Rußteile wurden Wände und Decke mit einem mehrschichtigen Kalkanstrich überpinselt. Das i-Tüpfelchen aber war eine farbige Verzierung unter der Decke, die mit der besagten Schablone angebracht wurde.

In vielen Dörfern erschienen auch noch der Küfer, der die Mostfässer reparierte, und der Korbmacher, um die „Zürnen“, Körbe aus Weidenruten, anzufertigen.

Längst gehört diese Zeit der Vergangenheit an. Doch wenn man es im Nachhinein betrachtet, so darf man feststellen, dass die „Störleute“ fast immer rechtschaffene, biedere, ehrliche und anspruchslose Leute waren. Neben der wertvollen Arbeit, die sie verrichteten, hatten die Störleute den Vorteil, dass sie über die Vorkommnisse im Dorf und darüber hinaus immer genau Bescheid wussten und somit auch für interessante Neuigkeiten sorgten.



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Die Bauern jammern über die Erhöhung der Steuern, weil sie nicht viel zahlen können. Grund: Sie brauchen zuviel für sich selbst, besonders für ihre Weiber und Töchter. O’ dieser Luxus! (Pfarrer Karl Breitenbach)

Aus dem Verkündbuch von 1812
In Rücksicht der Prozessionen habe ich zu erinnern, dass ich kein einziges aus euch, weder Jünglinge noch Jungfrauen, weder Männer noch Weiber zum Tragen eines Schildes (Bruderschaftsschilder) oder einer Kerze zwingen wolle. Doch um das bitte ich euch, dass diejenigen, welche die Prozession nicht mitmachen wollen, es dem Mesner sagen, dass er sie in der Prozessionsordnung ausstreiche. Vielleicht gibt es aber auch solche, denen es eine Ehre ist, mit Kerzen und Schilden gehen zu können.

Aus dem Verkündbuch von 1814

Es ist mir Anzeige gemacht worden, dass sich Buben und Jünglinge in der Kirche sehr ausgelassen betragen und auf der Kirchensteige den Aus- und Eingehenden, besonders den Weibsbildern, den Mädchen und Jungfrauen, sogar Auswärtigen die Blumensträuße von der Brust wegreißen. Welch bübische Ausgelassenheit.

Aus dem Verkündbuch 1817

Aschermittwoch – ich ermahne und bitte, besonders die Jünglinge auf der Emporkirche, dass sie den löblichen und heilsamen Gebrauch der Aschenbestreuung nicht mehr wie bisher unterlassen, sondern in nämlicher Ordnung wie beim Johanniswein-Trinken vor den Altar treten und sich „einäschern“ lassen.

Prozessionen werden zur Verherrlichung Gottes abgehalten, jedoch bleibt die Hälfte in der Kirche zurück. Das ist Unanständigkeit und Ärgernis.

Abbruch der ehemaligen Eligiuskapelle im Jahre 1820

Pfarrer Haupt schreibt: der Abbruch der Kapelle ist höchste Verfügung. Die Überlassung der Ziegelsteine zum Bau einer Schulstube allerhöchste Gnade. Dies soll dem wahren und echten Christen genug sein, ihn zu beruhigen und ihm den Mund zu schließen, dass er sich nicht zu Lästerungen, Schimpfen und Lieblosigkeiten öffne. Lasst uns alles, was von unseren „Oberen“ festgesetzt wird, in jenem Geiste annehmen, in welchem uns das Christentum anzunehmen befiehlt.

Firmung in Wolfegg im Jahre 1852

Aus unserer Gemeinde empfingen 31 das Sakrament der Firmung. Um ½ 6 Uhr morgens (13. Mai) wurde in Molpertshaus die Heilige Messe gefeiert. Anschließend ging man zu Fuß (man betete drei Rosenkränze) nach Wolfegg.

Aus dem Kirchenkonventsprotokoll von 1851

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Der Kirchenkonvent hat in Erfahrung gebracht, dass einige Pfarrgenossen am letzten Sonntag ohne Anträge bei der zuständigen Stelle sich erlaubt haben auf Kleeäckern und Wiesen zu arbeiten. In Erwägung, dass die vorangegangenen Tage regnerisch waren und das Einernten des Futters nicht gestatteten, so wird dennoch beschlossen, die Schuldigen vorläufig nicht zu bestrafen und stattdessen am nächsten Sonntag von der Kanzel die Sonntagsheiligung wieder in Erinnerung zu bringen.

25. Januar 1858

Am 25. Januar (Sonntag) haben die Mennisweiler weder innerhalb Orts noch den Kirchen- und Schulweg gebahnt, sodass vormittags kaum eine Weibsperson, nachmittags gar niemand in den Gottesdienst kam. Der Ortsvorstand wurde für künftige ähnliche Versäumnisse noch am selben Tag schriftlich vom Pfarramt mit Anklage beim Oberamt bedroht.

20. Januar 1860

Auf den Antrag des Pfarrers wird beschlossen, dass jeder christenlehrpflichtige Jüngling, welcher auf der Empore sich aufhält, mit 12 Kreuzer Wachsbeitrag bestraft wird.

Schulhausneubau

Für den Standort des neuen Schulhauses werden mehrere Vorschläge gemacht. Der Stiftungsrat tendiert für den Platz gegenüber dem Friedhof (heutiger Standort). Dieser wurde aber von einigen Sachverständigen wegen der Nähe des Friedhofs (Moder- und Leichengeruch) und des starken Windes abgelehnt. Die Schule zählte damals 146 Schüler.

Im Jahre 1866 hat die Kriminaljustiz angeordnet, dass sämtliche Hunde von Molpertshaus zum Tode verurteilt werden, weil sie wutverdächtig waren. Es waren sechs Stück an der Zahl. Also gab es wahrscheinlich damals schon die Tollwut.

1867

Die Zahl der Vagabunden ist selbst in Molpertshaus eine Landplage. Die Blätter (Zeitungen) sind voll von Diebstahlanzeigen. Getreide und Fleisch sind so teuer wie selten zuvor.

1930

Als im Jahre 1930 neue Glocken angeschafft wurden, mussten immer 4 bis 6 Ministranten im Bank des Glockenhauses Platz nehmen. Sie waren für das Läuten zuständig. Doch sie teilten sich auf. Vier gingen zum Läuten und zwei gingen in Pfarrers Garten um Beeren, Ringlotten und Pflaumen zu klauen. Kirchenbesucher auf der Empore beobachteten dies und meldeten es dem Pfarrer. Es gab für alle eine gehörige Tracht Prügel.

Wenn man zurückrechnet, könnte es durchaus sein, dass einige unserer älteren Mitbewohner damals schon zu diesen Schlawinern gehört haben....



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In unserer Zeit werden die Wallfahrten meist mit dem Bus unternommen. Allerdings hat sich bis auf den heutigen Tag in Mennisweiler, Molpertshaus und für die Leute „unter dem Berg“ die Fußwallfahrt auf die Grabener Höhe zur Sebastianskapelle erhalten, die immer um den Gedenktag des Heiligen Sebastian am 20. Januar begangen wird.

Wallfahrten waren in früheren Jahrhunderten ein fester Bestandteil im Ablauf des Kirchenjahres. So pilgerten die Mennisweiler bis zum Jahre 1850 jährlich am Magnustag (6. September) nach Schussenried, um für die Abwendung der Engerling- und Mäuseplage zu beten. Ebenso fand jeweils am Georgitag (23. April) eine Wallfahrt nach Weingarten statt.

Pfarrer Dominikus Schmid, der erste Pfarrer in Molpertshaus, berichtet in einem Verkündbuch aus dem Jahre 1770 von einer Fußwallfahrt nach Maria Steinbach.

Pfarrer Schmid schreibt: Die Wallfahrt nach Maria Steinbach betreffend: Um 7 Uhr an Michele (29. September) ist die Heilige Messe. Um 8 Uhr gibt man mit der großen Glocke ein Zeichen und den versammelten Wallfahrern mit dem Sanktissimo den Segen. Schon im Dorf wird der Psalter (drei Rosenkränze) angefangen und der Weg über Hippen (Himbach) und Seibranz genommen. Dort ist dann die letzte Einkehr, die über eine Stunde nicht dauern soll. Der andere Psalter wird auf der Anhöhe, oberhalb Seibranz, über den „Trieb“ gebetet. Sobald alle über dem Wasser beim Vogelsang den Berg bestiegen, macht der Pfarrer eine kleine „Anred“ (Ansprache). Er verkündet die morgige Abreise um ½ 10 Uhr und grüßt mit andächtiger Anbetung des Salve Regina, die gnad- und wundervolle Mutter. Hernach wird der schmerzhafte Rosenkranz, samt den heiligen fünf Wunden bis in die Kirche gebetet. Nach einer Andacht geht der Pfarrer mit seinen Dienstboten in den Pfleghof. Unter dem Salve Regina betet er auf der Galerie die Mette.

2. Tag. Um 10 Uhr wird mit der großen Glocke das Zeichen zum Aufbruch gegeben. Der Pfarrer begibt sich in die Kirche, opfert pro Stipendis 2 Gulden und 24 Kreuzer und nach kurzer Andacht nimmt er mit seinen Pfarrkindern den alten Weg. Der erste Psalter wird nach dem Aufstieg auf den Aychstetter Feldern (Aichstetter) angefangen und zu Drutschwendi (Truschwende) eine starke Stunde Einkehr gehalten. Der andere Psalter wird zu Hippen angefangen und auf solche Weise diese schöne, löbliche und schuldbareste Danksagungswallfahrt verdienstvoll und heilig beendet. (Originaltext von Pfarrer Schmid).

Nicht zu vergessen: Es handelte sich um eine Fußwallfahrt. Die Anzahl seiner teilnehmenden Schäfchen hat er uns leider nicht verraten. Die Strecke nach Maria Steinbach (bei Legau) beträgt immerhin um die 30 Kilometer. Vielleicht gelingt es ja auch in naher Zukunft einmal, eine solche Wallfahrt zu Fuß oder mit dem Fahrrad wieder zu organisieren...

(Foto: Ansicht von Maria Steinbach)



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(vgl. Festschrift der Kirchengemeinde Molpertshaus aus dem Jahre 2003)

In der Festschrift zum 200-jährigen Jubiläum unserer Kirchengemeinde haben wir versucht, die aus unserer Gemeinde hervorgegangenen Priester und Ordensleute aufzuführen. Was wir befürchtet hatten, trat ein. Bedingt durch den Umstand, dass es keine Niederschrift über den Eintritt von Schwestern oder Laienbrüdern in ein Kloster gibt, waren wir auf die Familienregister angewiesen. Dieses Familienregister besteht aber aus vier Bänden. Sie können sich vorstellen, dass sich daraus das Problem ergeben hat, dass nicht alle Berufungen erfasst werden konnten. So möchten wir uns bei allen Lesern der Festschrift für die Unvollständigkeit der Liste entschuldigen und mit diesem Nachtrag im Molpertshauser Lindenblatt die Berufungsliste vervollständigen. Die Namen der in der Festschrift „Vergessenen“ sind:

 

Ordensfrauen:

Walburga Multer aus Molpertshaus (heute Haus Anton Butscher), geboren am 1. August 1877, trat im Jahre 1898 bei den Kreuzschwestern in Ingebool in der Schweiz ein.

Kreszentia Koch aus Molpertshaus (heute Gasthaus „Adler“) wurde am 19. November 1880 geboren und trat 1898 in das Kloster „Maria Stein“ bei Bregenz ein. Sie starb am 21. Juni 1908.

Maria Agnes Strobel aus Oberurbach, geboren am 28. Dezember 1893, trat 1916 bei den Kreuzschwestern in Hall/Tirol, ein. Sie nahm den Klosternamen Theodora an und verstarb am 22. Juni 1918 in Innsbruck.

Rosina Sonntag von der Haid (heute Hof Erwin Sonntag), geboren am 13. April 1897, trat ebenfalls in das Kloster Ingebool in der Schweiz ein und wählte den Namen Brunhildis. Sie starb im Februar 1923 in St. Gallen.

Josefa Küble aus Engetweiler (heute Haus Rold), geboren am 9. Dezember 1896, trat 1928 in das Kloster Untermarchtal ein.

Laienbruder: David Multer aus Molpertshaus (ein Bruder der Walbruga Multer), geboren am 6. November 1886, trat in das Kloster Bad Schönbrunn als Laienbruder ein.

 


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Von einem eigenwilligen Streit um Wasser und Begräbnisrechte berichtet die Molpertshauser Chronik.

Nachdem in den Jahren 1764 bis 1766 das Pfarrhaus errichtet war, galt es für dieses eine Wasserquelle zu finden. Zweimal wurde ein tiefer Brunnen gegraben, doch jedes Mal blieb im Winter das Wasser aus. Es wird deshalb der Vorschlag gemacht, ein Rohr-Brunnen von Mennisweiler heraufzuführen. Die Mennisweiler waren dazu bereit, doch die Ausführung wurde wegen der zu erwartenden Schwierigkeiten wieder verworfen. Abt Mauritius von Rot (1760 bis 1782) wertete die Bereitschaft der Mennisweiler allerdings so hoch, dass er ihnen als erste die Begräbnisse in Molpertshaus gestattete (früher Friedhof Haisterkirch).

Die Zwingser gehörten bisher ebenfalls zur Pfarrgemeinde Haisterkirch. Sie mussten aber dem Mesner zu Molpertshaus für das Wetterläuten die Läutgarbe bezahlen. Im Jahre 1764 wurden sie ebenfalls der neu gegründeten Pfarrei Molpertshaus zugesprochen. Auch der „Kleinzehnte“ musste nach Molpertshaus abgeführt werden. Der Abt versprach ihnen dafür, sie sofort als wahre Pfarrkinder aufzunehmen und ihnen das Begräbnis auf dem Molpertshauser Friedhof zu gestatten.

Im Zusammenhang mit der Wasserproblematik in Molpertshaus witterten die Zwingser nun allerdings eine Chance und forderten „gewalttätig“ (so der Abt) die Befreiung von dem Kleinzehnten für ewige Zeiten. Ja sogar, obwohl sie dem zukünftigen Seelsorger der neu gegründeten Pfarrei Molpertshaus das liebe Wasser nicht gegönnt, wurde dieses schändlich Wort ausgesprochen: „Jetzt haben wir den Prälaten von Rot in der Gewalt. Er wird das Wasser nicht im Sack nach Molpertshaus tragen. Man muss uns von dem Kleinzehnten befreien, oder wir tun keinen Zug“. (Originaltext aus der Pfarrchronik)

Auf dieses schmähliche, undankbare und unverschämte Rede, durch welche die Zwingser es mit Gewalt wollten erzwingen, haben seine Hochwürden Abt Mauritius folgende Antwort geben lassen: „Wir brauchen von euch Zwingsern den Brunnen nicht und künftighin könnt ihr eure Totenleiber auch im Sack oder mit der Totenbahre nach Haisterkirch tragen und auch von Haisterkirch aus versehen werden.“ Dadurch war den Zwingsern alle Hoffnung in den Brunnen gefallen und den Mennisweilern und der ganzen Nachbarschaft zu großem Gelächter Anlass gegeben.

Nachdem aber die Zwingser / Haider von aller Bezwingung verlassen und ihnen das Wasser der ungnädigen Vergeltung in das Maul geflossen sei, haben sie endlich durch vieles Bitten und Betteln bei dem gnädigen Herrn Gnade erhalten, dass sie nach Molpertshaus kommen dürfen. Mit Versehung der Kranken, mit Taufe der Kinder und Hochzeiten. Das Begräbnis der Toten wurde noch nicht gestattet. Möge der Weg oder das Wetter so hart sein, als es wolle.

Doch auch dieser Streit legte sich. In einem Vertrag vom 17. Juni 1775 wurde den Zwingsern und Haidern gestattet, unter gewissen Bedingungen ihre Toten in Molpertshaus zu beerdigen, solange bequemlich Platz auf dem allhiesigen, ohnehin kleinen Friedhof vorgefunden werde. So wurde als erste Verstorbene Ursula Hutterin am 15. Juli 1775 auf dem Molpertshauser Friedhof (damals noch um die Kirche herum) beerdigt.

Unterzeichnet wurde dieser Vertrag von Abt Mauritius und von Seiten der Ehrsamen Gemeinde Zwings von Hans Michel Leutner (heute Branntweinerhof), Xaveri Gegler (heute Hof Bohner), Antoni Stephan (heute Hof Wild) und Antoni Graf (heute Hof Liebrich).

Quelle: Auszug aus der Chronik der Kirchengemeinde Molpertshaus, niedergeschrieben vom ersten Pfarrer Dominikus Schmid, 1766 bis 1782



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Es war jahrhundertealter Brauch, das Vieh von jedem Ort gemeinsam auf die Weide zu treiben. Als Weidefläche galt dabei die Brache (still gelegte Fläche) und nicht ackerbare Wiesen. Dazu wurde ein Viehhirt angeheuert, der gegen Bezahlung das Vieh beaufsichtigte. Da die Weiden meist außerhalb des Ortes lagen, war der „Trüb“ (Trieb) dorthin oft sehr weit. Manche Frucht (Getreide) und der damals sehr viel angebaute Flachs wurden auf diesem Wege zertrampelt. Für Mennisweiler ist zu vermuten, dass die Weiden unter anderem nördlich, oberhalb des Dorfes lagen. Diese Vermutung legt zumindest der ursprüngliche Name des heutigen Höhenwegs nahe, der – allerdings nur kurze Zeit – als „Triebweg“ bezeichnete wurde. Die Anwohner der Straße konnten sich mit dieser doppeldeutigen Bezeichnung allerdings nicht einverstanden erklären und schritten massiv gegen die Namensgebung ein, sodass aus dem einstmaligen Triebweg sehr rasch der heutige Höhenweg wurde...

Die  durch den  Trieb  zertrampelte  Frucht war

Ursache für viele Streitigkeiten und dies war ein Grund für die Vereinödung (siehe unten stehenden Artikel).

Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen die Viehsegnungen, die sich trotz Verbots Anfang des 19. Jahrhunderts bis etwa 1840/50 gehalten haben. Vielleicht ist der Almabtrieb in den Bergen heute noch ein Überbleibsel dieser Zeit. 

Aus der Molpertshauser Pfarrchronik ist zu entnehmen, dass vor der Zeit der Vereinödung das Vieh beim erstmaligen Austreiben (um den Georgitag herum, also Ende April) gesegnet wurde. Dabei wurde der Pfarrer von der Gemeinde auf die Weide hinausbegleitet, wo er dann das Vieh segnete.

 



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Wenn man alte Schriften durchblättert, so stößt man immer wieder auf das Wort „Vereinödung“. Was bedeutet dieses Wort und was geschah damals wirklich bei der Vereinödung? Nun, als die Besiedlung in unserer Gegend begann, wurde vornehmlich dort gebaut, wo es Wasser gab. Das Vorhandensein von Wasser war die Voraussetzung für die Entstehung von Wohnorten.

Die Bauernhöfe waren meist Lehensgüter. Die Grundherren waren die Herrschaft Wolfegg, das Spital Waldsee, das Chorstift Waldsee, die Klöster Rot (Prämonstratenser), Schussenried (Prämonstratenser), Weingarten (Benediktiner) und Baindt (Zisterzienserinnen) und ebenso die einzelnen „Kirchenfabriken“ (Kirchenpflegen). Die immer wieder angesprochenen „Sölden“ waren kleinere Anwesen, die meist zum Lebensunterhalt nicht ausreichten. Angebaut wurde damals hauptsächlich Vesen (Dinkel), Hafer, Flachs (Lein) und später etwas Roggen und Gerste. Als Weideflächen für das Vieh galten die Brachflächen, sowie nicht ackerbare Wiesen. Beweidet wurde gemeinsam. Als Zugtiere hatten nur die größeren Bauern Pferde, die anderen mussten mit Ochsen und Kühen fahren. Es galt das Tripp- und Trapprecht.

Neue Anbauarten brachten der Landwirtschaft auch neue Probleme. So wurde um das Jahr 1750 der Kleeanbau und die Kartoffeln eingeführt. Beides wurde auf den Brachflächen angebaut. Die Weideflächen wurden dadurch geringer und man versuchte nun die Stallfütterung, was besonders bei den kleinen Sölden Schwierigkeiten bereitete.

Es wurde über die Vereinödung nachgedacht. Dazu gab es zwei Formen, mit und ohne Ausbau (Aussiedlung). Die Maßnahme geschah freiwillig und ohne Zwang.

Wie ging die Vereinödung vor sich? Es musste

zunächst ein Antrag an die Grundherrschaft gestellt werden. Ein Feldmesser musste die einzelnen Grundstücke schätzen und vermessen. Dabei wurde nach einem gewissen Punktesystem verfahren. Nun erstellte man einen Plan, wer wieviel und wo der Einzelne seine Grundstücke erhält. Die Bauern mussten sich einigen, wer Interesse an einer Aussiedlung hat und wer weiterhin im Dorf bleiben will. Nun musste ein Wirtschaftsweg angelegt und eine Wasserstelle gefunden werden. Die vereinödeten Höfe hingen selbstverständlich noch nicht an einer zentralen Wasserversorgung, sondern schöpften das Wasser aus eigenen Brunnen.

Wie ging der Bau vonstatten? Der ganze Ort half zusammen mit Ross und Mann, die alten Höfe abzureißen, hinauszufahren und auf den vorbereiteten Plätzen wieder aufzurichten. Von einem Fall wird berichtet, dass 99 Helfer sich am Bau beteiligten. Sogleich musste noch ein Brunnen gegraben werden. Mit einem Bauschilling von 60 bis 175 Gulden versuchte man, das Vorhaben noch zu versüßen. Natürlich wurden auch komplett neue Höfe erstellt.

Die Vorteile der Vereinödung waren die Nähe der Grundstücke und die Möglichkeit, den Hof jederzeit zu erweitern. Die Nachteile der Vereinödung waren die Tatsache, dass die Kinder größtenteils ohne Spielgefährten aufwuchsen und der Weg zur Schule und zur Kirche oftmals sehr weit und im Winter besonders beschwerlich war.

Diese oben beschriebene Form der Vereinödung (heute würde man Aussiedlung sagen) finden wir bei uns auf der Haid, die in den Jahren 1784 bis 1789 stattfand. Die andere Form, nämlich die Zusammenlegung der Felder und Grundstücke ist wesentlich verbreiteter.



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Im Jahr 2004 konnte der Blutreiterverein Molpertshaus sein 40-jähriges Vereinsjubiläum feiern. Gleichzeitig konnte die Blutreitergruppe Molpertshaus auf die erstmalige Teilnahme beim Blutritt in Weingarten vor 80 Jahren, also im Jahre 1924, zurückblicken. Dass es die Tradition der Reiterwallfahrt schon viel länger gibt, belegen mehrere Dokumente. So ist im Eintürner Archiv der Kirchengemeinde ein Hinweis aus dem Jahre 1798 zu finden, wo es im Zusammenhang mit dem dortigen Martinsritt den folgenden Vermerk gibt: „Von Molznertshaus kam auch eine zahlreiche Companie mit einer Standarte“. In Mennisweiler selbst gab es bis 1820 eine Reiterprozession bei der Eligius-Kapelle. Der Eligiusritt, so ist es überliefert, erlangte im 18. Jahrhundert „große Berühmtheit“. Im Jahre 1724 erhielt der Bauernheilige Eligius, „dessen Name Gott in der ganzen Welt bekannt machte“ zwischen Mennisweiler und Molpertshaus ein neues Heiligtum. Die Bauern von Haisterkirch und Molpertshaus ritten am 25. Juni dorthin. Die feierliche Gestaltung des Gottesdienstes zog immer mehr Reiter und Volk herbei. Auf einem Altar an der Außenwand der Kapelle wurde eine Reliquie des Heiligen ausgesetzt. Am Prozessionsritt, so wird berichtet, nahmen schließlich so viele Reiter teil, dass die Feier wegen des entstehenden Flurschadens auf das St.-Michaelsfest (29. September) verlegt werden musste. Mit Abbruch der Kapelle im Jahre 1820 und dem Verbot der Pferdesegnungen endeten allerdings die Reiterprozessionen in Mennisweiler.

Nachfolgend drucken wir in Auszügen den Bericht von Schriftführer Albert Wiedemann, der im Jahre 1999 anlässlich der 75-jährigen Teilnahme der Molpertshauser Blutreiter einen Abriss der Chronik verfasste.

„Es war also im Jahr 1924, als in der Pfarrei Molpertshaus von einigen Männern eine Blutreitergruppe gegründet wurde. Dies waren Bernhard Kübler, Josef Metzler, Anton Liebrich, Josef Ritscher, Markus Birkenmayer, Albert Koch, Alfred Sonntag, Albert Schattmaier, Baptist Koch.

Die Gruppe hat beschlossen, grundsätzlich am Bluttritt in Weingarten teilzunehmen. Bei Vermählungen oder Beerdigungen eines Mitglieds rückt die Gruppe mit schwarzem Anzug und Scherpe aus. Buben sollen am Fest Christi Himmelfahrt und an Fronleichnam die Standarten tragen. Von 1924 bis 1926 war der erste Gruppenführer Josef Metzler, Haid. Im Frühjahr 1924 wurden bei der Firma Ostermaier, Aulendorf, zwei neue Standarten mit den Motiven der Heiligen Katharina und des Heiligen Eligius bestellt. Die ersten Standartenträger waren Josef Ruf und August Müller, Furt. Bei der ersten Teilnahme am Blutritt in Weingarten konnten nur elf Reiter wegen des extrem schlechten Wetters und der Krankheit einiger Pferde dabei sein.

Von 1927 bis 1939 war Anton Liebrich aus Zwings Gruppenführer. Von 1939 bis 1945 war wegen der Kriegszeit der Blutfreitag verboten. Auch 1946 und 1947 gab es keinen Blutritt, da die Alliierten eine politische Demonstration befürchteten. Es gab nur einen Fußmarsch von Weingarten nach Baienfurt. Die Pilger kamen großenteils zu Fuß, per Bahn oder mit Lastwagen, da es keine Omnibusse gab. Nach der Währungsreform wurde die Blutreiterfahne angeschafft. Herr August Müller, Furt, hat 300 Mark gestiftet. Von 1947 bis 1955 fungierte Josef Metzler, Haid, wieder als Gruppenführer. Von 1956 bis 1963 war Josef Ritscher aus Furt Gruppenführer.

Gründung des Blutreitervereins

Am 26. Mai 1964 versammelten sich viele Interessenten beim „Oberen Wirt“ in Molpertshaus. Den Vorsitz führte Josef Ritscher. Unter großem Beifall regte er an, aus der Gruppe einen Verein zu bilden. Dieser Wunsch wurde immer wieder geäußert und so kam es zu einer Vereinsgründung am gleichen Tag. Es wurde Folgendes beschlossen: Der Vorstand sollte der jeweilige Pfarrer sein. Dies war damals Pfarrer Adolf Heinzmann. Gruppenführer wurde Josef Ritscher, der schon zuvor Gruppenführer war. Kassier wurde Karl Herzog. Zu Ausschussmitgliedern wurden Oskar Liebrich und Edwin Ruf (aktiv) und Ferdinand Schad und Dore Birk (passiv) gewählt. Als Jahresbeitrag wurden vier Mark festgesetzt. Innerhalb kurzer Zeit hatte der Verein 54 Mitglieder. Wenige Jahre nach der Vereinsgründung hat auch die fortschreitende Motorisierung in der Pfarrei den Pferdebestand drastisch verringert. Man hat über viele Jahre in Steinental und aus benachbarten Gemeinden, die keine Blutreitergruppen hatten, für den Blutritt in Weingarten Pferde ausgeliehen. Als Quartier für den Blutritt in Weingarten bot das Haus Gresser, Baienfurt, die Aufnahme an.

Unfasslich für die Gruppe war der Tod des Fahnenträgers Siegbert Müller, der am 16. Oktober 1968 bei der Hilfeleistung mit seiner jungen Frau im Silo ums Leben kam. Die Fahne, vom Vater selbst gestiftet, trug Trauerflor. Am 1. Februar 1969 überschattete ein zweites großes Unglück den Verein, als auf unerklärliche Weise das Vereinsmitglied Vinzenz Schattmayer mit dem Starkstrom in Berührung kam und sofort tot war. Aufgrund des Verlustes dieser beiden geschätzten jungen Männer gab es keine Fasnetsveranstaltungen im Dorf. Ahnungslos hat Pfarrer Heinzmann am Sonntag, den 9. November 1969 den Gottesdienst begonnen. Nach der Verkündigung des Wortes Gottes sank Pfarrer Heinzmann zu Boden und erlag einem Herzinfarkt. Er war Vorstand von 1963 bis zu seinem Tod.

1970 wurde Josef Ritscher zum Vorstand gewählt. Schriftführer wurde Edwin Ruf. Am 7. August 1970 verstarb der stellvertretende Gruppenführer Anton Liebrich aus Zwings. Im Jahre 1971 wurde der Jahresmitgliedsbeitrag wegen Geldknappheit von vier auf fünf Mark erhöht. Siegfried Maucher wurde anstelle von Dore Birk in den passiven Ausschuss gewählt, dem er noch heute angehört. Stellvertretender Gruppenführer wurde Oskar Liebrich. Gruppenführer Josef Metzler, Haid, wurde seiner Verdienste wegen zum Ehrenmitglied ernannt. Am 5. Oktober 1973 verstarb Herr August Müller, Furtmühle. Durch die Stiftung der Blutreiterfahne wird er ein bleibendes Andenken bewahren. 1974 hat Karl Herzog als Kassier sein Amt nach 21 Jahren abgegeben. Nachfolger wurde Benedikt Baumeister. Unserer Gruppe, sowie der Musikkapelle Molpertshaus wurde im Klosterhof anlässlich der 50-maligen Teilnahme am Blutfreitag ein Fahnenband an die Fahne geheftet. Mit einem gemeinsamen Kirchgang und einem Fest im Bräuhaus in Rossberg wurde am 24. November 1974, dem Kirchenpatrozinium, das 50-jährige Bestehen der Blutreitergruppe gefeiert. Im Jahre 1976 musste Josef Ritscher nach fünf Jahren Vorstand und 19 Jahren Gruppenführer seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Vorstand wird Josef Liebrich, sein Bruder Oskar wird Gruppenführer. Stellvertretender Gruppenführer wird Karl Herzog. In den aktiven Ausschuss kam Karl Ritscher. An den Blutritten in Weingarten und Bad Wurzach hatte die Gruppe erstmals seit langem wieder mit 20 Reitern teilnehmen können. Am 4. Dezember verstarb der ehemalige Vorstand und Ehrengruppenführer Josef Ritscher aus Furt. Am Ostermontag 1978 war die Primiz von Norbert Hecht. Bei einer Ausschusssitzung wurde beschlossen, dass man am Georgsritt in Ochsenhausen ab dem kommenden Jahr teilnehmen wird. Der Ritt in Ochsenhausen war zweihundert Jahre lang unterbrochen. 1979 konnte die Gruppe in Bad Wurzach, zusammen mit Reitern aus Bad Waldsee erstmals mit 29 Pferden teilnehmen. Erstmals hat die Gruppe auch am Wendelinusritt in Gutenzell mit 12 Reitern teil genommen. Im Jahre 1980 hat der Verein 70 Mitglieder. Am 19. Juni verstarb der erste Gruppenführer und Mitbegründer der Gruppe, Josef Metzler, im hohen Alter von 89 Jahren. Im Alter von 49 Jahren verstarb unser aktiver Reiterkamerad Alois Leuther aus Ebisweiler bei Aulendorf. Josef Miller aus Mennisweiler wird am 30. Juni 1984 in Bad Mergentheim zum Priester geweiht. Auch die Blutreiter waren zu diesem einmaligen Fest dabei. Beim Blutfreitag in Bad Wurzach gab es für die Pfarrei Molpertshaus ein seltenes Ereignis, da der Primiziant Josef Miller die Ehre hatte, Träger der Heilig-Blut-Reliquie zu sein. Als geistlichen Mitreiter hatten wir Pfarrer Norbert Hecht. 1986 gibt Benedikt Baumeister sein Amt als Kassierer ab. Sein Nachfolger wird Stefan Hecht. Werner Schlude erklärt sich bereit, die Vereinsbeiträge zu kassieren. Im Jahre 1989 hat der Blutreiterverein einen Mitgliederstand von 125. Am 1. April 1992 verstarb nach kurzer schwerer Krankheit unser Mitglied und Schriftführer Edwin Ruf. Er war 20 Jahre Schriftführer. Nachfolger wurde Albert Wiedemann. Werner Schlude musste sein Amt als Beitragskassier aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Nachfolger wurde Christian Lerch. 1995 nahmen beim ersten St.-Georgs-Ritt in Gwigg 11 Reiter unserer Gruppe teil. 1996 war ein bewegtes Jahr für den Blutreiterverein. Am 6. Februar verstarb unser geistlicher Mitreiter Pfarrer Leo Rupp aus Leutkirch. Bei der Jahreshauptversammlung am 28. April gab es bei den Vorstandswahlen gravierende Veränderungen. Vorstand Josef Liebrich und Oskar Liebrich als Gruppenführer gaben nach 20 Jahren pflichtbewusster Amtszeit ihre Ämter ab. Georg Sonntag sen. und Karl Ritscher stellten ihre Ämter als passive Ausschussmitglieder ebenfalls zur Verfügung. Zum neuen Vorstand wurde Seppi Liebrich gewählt, Gruppenführer wurde Karl Ritscher, in den aktiven Ausschuss wurden Georg Sonntag jun. und Hubert Nold gewählt. Am Georgsritt in Ochsenhausen wird man nicht mehr teilnehmen, da die Blutreitergruppe Bergatreute in Gwigg jährlich den St.-Georgs-Ritt abhalten wird. 1997 ist der Mitgliederstand bei 122. Albert Spieß gibt sein Amt im passiven Ausschuss aus gesundheitlichen Gründen ab. Nachfolger wird Christian Lerch. Wegen extremem „Hundewetter“ wird die Teilnahme am Georgsritt in Gwigg abgesagt. Es wurde beschlossen, demnächst eine neue Fahne zu kaufen. Im Jahre 1998 wird der Mitgliedsbeitrag auf 10 Mark erhöht. Herr Schweizer aus Baienfurt, genannt Mathe, hat trotz Krankheit sein Stallquartier, welches wir schon seit Jahrzehnten benutzen können, mit der Anmerkung, dass, wenn’s bei ihm nicht mehr geht, sein Sohn uns den Schopf weiterhin frei macht, wieder zur Verfügung gestellt. Bad Wurzach feiert zum 70. Mal das Heilig-Blut-Fest, an dem wir uns mit 24 Pferden beteiligen. Am 31. Juli war Beerdigung unseres ehemaligen und vorbildlichen Gruppenführer Oskar Liebrich, der durch einen tragischen Unfall sein Leben geben musste. Im Jahre 1999 ist beim feierlichen Festgottesdienst für unseren neuen Pfarrer Ludwig Beitel die Fahnenabordnung des Blutreitervereins ebenfalls anwesend. Herr Pfarrer Beitel hat zum Mitreiten in Bad Wurzach bereits schon zugesagt, vorausgesetzt, dass vorher ein Proberitt stattfindet. Der Festtermin zum 75-jährigen Jubiläum der Teilnahme am Blutritt in Weingarten wird auf den 13. Juni 1999 festgelegt. Im Jahre 2001 werden die noch aus dem Jahre 1924 stammenden Standarten restauriert. Am 12. Februar 2001 verstarb der langjährige Vorstand des Vereins Josef Liebrich sen. Josef Welte, langjähriges aktives Mitglied des Blutreitervereins, stirbt am 14. März 2003. Am 12. Juni 2004 feiert der Blutreiterverein Molpertshaus sein 40-jähriges Bestehen und zugleich das 80-jährige Jubiläum der Blutreitergruppe mit einem Ritt zur Sebastianskapelle auf der Grabener Höhe. Beim Festgottesdienst predigt Pfarrer Norbert Hecht. Pfarrer Hecht geht dabei auf den tieferen Sinn von Prozessionen ein. Bei Prozessionen und Wallfahrten schenkt Gott den Menschen seine Gegenwart in besonderer Weise:  „Gott geht mit uns, er begleitet uns immer und überall und lässt uns nicht allein.“



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Auch der FV Molpertshaus feiert im Jahr 2004 sein 40-jähriges Vereinsjubiläum. Dabei ist der Verein noch einige Monate älter als der Blutreiterverein. Am 12. Januar 1964 war im Gasthaus Adler in Molpertshaus Gründungsversammlung. Der geschäftsführende Vorstand der Gründungsversammlung, Simon Schüle, begrüßte bei der Versammlung 58 Personen. Schüle unterstrich in seiner Eröffnungsrede „den Drang der Jugend nach einem eigenen, selbständigen Fußballverein“, wie es im Protokoll über die Gründungsversammlung heißt. Dabei hob er als besonders lobenswert die Tatsache hervor, „dass es keines Anstoßes von ‚höherer Stelle’ bedurfte, sondern dass die Jugend selber spontan bereit war, all die Opfer und Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, die ohne Zweifel mit einem solchen Schritt (der Vereinsgründung) verbunden sind“, so im Protokoll weiter. Als erste Vorstandschaft wurden folgende Personen gewählt: Simon Schüle (1. Vorsitzender), Sebastian Maier (2. Vorsitzender), Rudolf Schuhmacher (Kassier), Frank Dentler (Schriftführer), Josef Albrecht sen. (Jugendleiter), Ernst Moser und Stefan Hecht (aktiver Beirat), Markus Rist und Josef Botzenhardt (passiver Beirat). Der Vereinsbeitrag wird auf 6 Mark festgesetzt, die Jugend sollte jährlich 1 Mark 50 Beitrag bezahlen. Auch Pfarrer Adolf Heinzmann meldete sich bei der Vereinsgründung zu Wort. Er sagte, dass dieser Verein „nicht nur dem Körper, sondern vor allem dem Geist dient“. An die Adresse der Spieler richtete Pfarrer Heinzmann den Appell, dass sie „gute und vorbildliche Repräsentanten der Gemeinde sein müssten, von denen man Anstand, gutes Benehmen und sportliche Fairness erwarte“. So steht es im Gründungsprotokoll. Pfarrer Heinzmann selbst ging mit gutem Beispiel voran und unterstützte den neu gegründeten Fußballverein dadurch, dass er diesem die beiden Fußballtore spendete und einen günstigen Pachtvertrag für das Sportgelände zur Verfügung stellte.

Den ersten großen sportlichen Erfolg errangen die Molpertshauser im Jahre 1967, als sie gegen den SV Amtzell das Endspiel um den C-Klassen-Pokal gewinnen konnten. Vier Jahre später kam die Reservemannschaft des FVM zu Meisterehren. Für die 1. Mannschaft blieb dieser Erfolg bis zum Jahr 1993 aus. In der Saison 1992/93 konnte übrigens auch die Reservemannschaft den Meistertitel erringen. Der Aufstieg in die Kreisliga A war zugleich der sportliche Höhepunkt in der Geschichte des FVM. Leider hielt dieser Höhenflug nur wenige Jahre an. Schon 1996 musste nach einem „Relegationsspiel“ gegen den SV Horgenzell in Baindt der Gang in die Kreisliga B wieder angetreten werden. Trotz guter Ergebnisse in den letzten Jahren ist der erneute Aufstieg seither nicht mehr gelungen.

Im Jahr 1979 wurde der FV Molpertshaus erstmals Gemeindepokalsieger. Im selben Jahr wurde zum ersten Mal das mittlerweile traditionelle Pfingstturnier organisiert und der Beschluss zum Neubau der Sportanlagen gefasst. 1982 wurde der Sportstättenneubau abgeschlossen. Schon 1980 wurde die bis heute noch bestehende Damengymnastikgruppe, heute Frauenturnen, ins Leben gerufen. Die 1983 gegründete Volleyballabteilung besteht mittlerweile schon längst nicht mehr. Auch die Molpertshauser Dorfmeisterschaften im Skilanglauf sind längst Geschichte. Nur zwei Mal konnte diese offensichtlich sehr unterhaltsame Veranstaltung in den Jahren 1983 und 1984 ausgetragen werden. Die Sportkegler-Abteilung aus dem Jahre 1984 „schiebt“ dagegen noch immer und das mit guten Erfolgen. So stieg die Mannschaft schon 1987 in die B-Klasse auf und schaffte ein Jahr später erneut den Meistertitel und damit den Aufstieg in die A-Klasse. I